Feminismus für alle

2017-03-10-PHOTO-00000562Sie verbrennen BHs, hassen Männer, sind wütend und sexuell frustriert. Diese Klischees schwirren vielen im Kopf herum, wenn sie an Feministinnen denken. Warum eigentlich? Feminismus definiert sich als „akademische und politische Bewegung, die für Gleichberechtigung, Menschenwürde, die Selbstbestimmung von Frauen und gegen Sexismus eintritt“. Klingt nicht sehr radikal.

Dennoch gibt es kaum eine politische Bewegung, die derart stigmatisiert ist. Oft sagen Menschen, sie seien für Gleichberechtigung, nicht aber für Feminismus. Um ein Problem bekämpfen zu können, muss man es jedoch beim Namen nennen. Verfechter der Gerechtigkeit, die vom Feminismus Abstand nehmen, negieren, dass Frauen jahrhundertelang schlechter gestellt waren als Männer – und es nach wie vor sind.

Dieser Text ist Ausschnitt eines größeren Artikels zum Thema Feminismus und am 4.3.2017 im „Extra“, der Literaturbeilage der „Wiener Zeitung“, erschienen. In seiner vollen Längen ist er hier nachzulesen.

Natürlich hat sich vieles verbessert, vor allem in der westlichen Welt. Feminismus ist aber nicht nur der – wichtige – Kampf um gleiches Gehalt für gleiche Arbeit und Halbe-Halbe im Haushalt. Sondern auch jener gegen Genitalverstümmelung, Mord an Mädchen in der sogenannten Dritten Welt und sexuelle Gewalt, von der fast jede/r mindestens einmal im Leben betroffen ist.

Feministinnen wird vorgeworfen, sie würden sich auf das Binnen-I versteifen oder bei jeder Gelegenheit mit der „Sexismus-Keule“ um sich schlagen. Gendern hat aber seine Berechtigung. Liest man in der Zeitung beispielsweise: „Mehr Bedarf an Technikern“, denkt man automatisch an Männer in blauen Latzhosen. Es ist erwiesen, dass es mehr weibliche Vorbilder bräuchte, um den Frauen-Anteil in der Technik zu erhöhen. Werden sie nicht einmal sprachlich inkludiert, braucht man sich nicht wundern, dass der beliebteste Lehrberuf von Frauen immer noch Frisörin ist.

 

Bleiben wir in der Arbeitswelt: Gegen sexuelle Belästigung kann man rechtlich vorgehen. Wehrt man sich aber gegen die Sexismen im Arbeitsalltag, heißt es oft, man sei kleinlich oder humorlos. Wenn zwei Redakteure über Politik diskutieren und die Kollegin derweil zum Kopierer schicken, ist das problematisch. Es geht nicht darum, immer alles richtig zu machen. Es geht darum, Sexismen zu erkennen und anzusprechen.

Immer öfter hört man, mittlerweile würden sich Männer diskriminiert fühlen, weil es Förderprogramme oder Veranstaltungen nur für Frauen gibt. In einer Welt, in der sie bei Konferenzen bewiesenermaßen weniger oft zu Wort kommen, braucht es diese exklusiven Räume. Doch hier manifestiert sich das Ausschließende, das beim Wort „Feminismus“ mitschwingt – ein großes Missverständnis.

ÖVP-Wähler, Hausfrau, Transgender-Mann: jede/r kann und sollte Feminist/in sein. Männer haben heute mitunter weniger Handlungsspielraum als Frauen. Viele von ihnen würden gerne mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. Dass sie es nicht tun, liegt auch an unrealistischen gesellschaftlichen Erwartungen: Der moderne Mann muss stark, darf aber nicht dominant sein; er soll liebevoll, aber nicht zu emotional sein. Feministen brechen mit diesen Geschlechterstereotypen. Feminismus tut also auch Männern gut.