SALON FIGL

Ein Schreckgespenst namens Kommunismus

Kommunismus – das ist doch nichts für Kinder! Das Buch „Communism for Kids“ erzürnt die amerikanische Alt Right. Dieser Artikel ist am 11.7.2017 in der „Wiener Zeitung“ erschienen.

„In diesem Buch lernen Kinder, wie sie Gulags einrichten, Satan anbeten und die westliche Zivilisation zerstören können – und all das für nur 12 Dollar und 95 Cent!“ scherzt die „New York Times“ (NYT). Doch die NYT-Rezension liegt trotz satirischer Spitzen nahe an der Realität. Andere US-Medien, darunter das rechtsaußen-Medium „Breitbart“ oder das liberalere „The Daily Beast“, zerfleischen das Buch der Berliner Autorin Bini Adamczak regelrecht: „Die pure Existenz dieses Buches beweist, dass Marxisten noch nicht erkannt haben, dass ihre Ideologie zu nichts als Verderben führt“, schreibt ein „Breitbart“-Autor.

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„Der TU-Student ist nicht unbedingt der, der protestiert“

(c) Stanislav Jenis

(c) Stanislav Jenis

Studierende strömen aus dem TU-Gebäude am Getreidemarkt, vergleichen ihre Rechenergebnisse und ziehen weiter in den Innenhof. Es ist Tradition, dass sich TU-Studierende nach Prüfungen vor der Fachschaft treffen, auf ein Bier. Oder zwei. Oder zehn. „Es ist ein Frust-Besäufnis“, sagt Wolf Farber, und: „An der TU Wien zu studieren war der größte Fehler meines Lebens.“ Seit fünf Jahren studiert er Maschinenbau, seit fünf Jahren scheitert er an der Mechanik-Prüfung. Dieser Artikel ist am 22.6.2017 in der „Wiener Zeitung“ erschienen.

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Schabbat-Dinner und Blockparty

In New York stellt jede Minderheit irgendwo auch die Mehrheit – ein Stadtspaziergang.

„Halleluja, Halleluja, Halleluja!“ Aus den Tiefen ihrer Lungen rufen sie den Namen Gottes, hyperventilierend versetzen sie sich in Trance-ähnliche Zustände. Unter die Schreie der Zeugen Jehovas von nebenan mischen sich Polizeisirenen, die in der Ferne in Endlosschleife aufheulen. Das Ritual ist ein allabendliches Wiegenlied, und in der Früh übernimmt der jüdisch-orthodoxe Kindergarten: mit hoch gepitchtem, hebräischem Sing-Sang wecken die Kids das ganze Wohnhaus. Dieser Artikel ist am 20.5.2017 in der „Wiener Zeitung“ erschienen.

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Emanzipation auf Kenianisch

B. Figl

B. Figl

In Kenias patriarchaler Gesellschaft haben Frauen kaum Rechte. Ein EU-Projekt will das ändern. Ein Mann schlägt auf seine schwangere Ehefrau ein, bis sie auf dem Boden liegt. Ihre Wehen beginnen, er ignoriert sie, scherzt stattdessen mit Freunden. Es ist die Szene eines Theaterstücks, das im Slum der drittgrößten Stadt Kenias, Kisumu, aufgeführt wird. Fern der Realität ist sie jedoch nicht. Dieser Artikel ist am 25.5.2017 in der „Wiener Zeitung“ erschienen.
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Flüchtlinge als Quotenbringer

taz

(Abfotografiert aus der taz)

Beim Internationalen Journalismusfestival in Perugia ging es um den Umgang mit dem Thema Flucht. Alle Kinostühle sind besetzt, die Zuspätkommenden pferchen sich auf dunkle Holzbänke. Ganz Perugia, so scheint es, ist in den prunkvollen, mit Fresken übersäten Sala dei Notari gekommen, um zu hören, was der Lampedusa-Arzt Pietro Bartolo, die UNHCR-Südeuropa-Sprecherin Carlotta Sami und eine Handvoll JournalistInnen zum Thema Migration zu sagen haben. Diskutiert wird lautstark auf Italienisch, im Publikum sitzen mehr Einheimische als JournalistInnen. Vergangene Woche fand im italienischen Bergstädtchen Perugia das 11. Internationale Journalismusfestival statt. Flucht, einer der Festival-Schwerpunkte, lässt hier niemanden kalt. Kein Wunder, schließlich starben im Vorjahr mehr als 5.000 Menschen im Mittelmeer. Dieser Artikel ist am 13.4.2017 in der taz erschienen.

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„Achtsamkeit ist ein Tranquilizer“

Hannah Assouline

Hannah Assouline

Meditation ist narzisstisch und geht nicht an die Wurzel des Problems: Theodore Zeldin, Historiker an der Universität Oxford, steht Meditation und Achtsamkeit kritisch gegenüber. Das Interview ist am 10.5.2017 in der „Wiener Zeitung“ erschienen und hier nachzulesen.

Professor Zeldin, Sie sind ein Gegner der Achtsamkeit. Sie sagen, Achtsamkeit halte die Welt vom Denken ab – wie meinen Sie das?

„Theodore Zeldin“: Jeder kann tun und lassen was er will, aber ich kann Ihnen erzählen, warum ich Achtsamkeit nicht befürworte und für kontraproduktiv halte. Achtsamkeit muss regelmäßig praktiziert werden, es ist keine Kur, sondern wie ein Tranquilizer, den man jeden Tag einnehmen muss. Ein Problem an „Mindfulness“-Konzepten ist, dass es das Wissen der Welt nicht vermehrt. Und ohne Wissenszuwachs kann man die Probleme dieser Welt nicht bewältigen. Weiterlesen…

Das meditierende Klassenzimmer

Luiza PuiuDer Leistungsdruck an Schulen steigt. Immer öfter findet sich deshalb Achtsamkeit auf dem Stundenplan. Jugendliche, die auf Dreck starren – und das im Schulunterricht. „Hier, dieser Dreck! Das ist mir noch nie aufgefallen!“ sagt Lehrerin Verónica Pagura, Lehrerin an der Vienna International School. Sie steht im dunklen Klassenzimmer und leuchtet mit einer Taschenlampe auf einen grauen Fleck an der Decke. Die Teenager haben ihre Köpfe in den Nacken gelegt, ihre Blicke folgen dem Licht. Die Taschenlampe soll veranschaulichen, was passiert, wenn man still wird und seine Gedanken beobachtet.

Mindfulness statt Mathe: Heute steht in der Vienna International School im 22. Bezirk Achtsamkeit am Stundenplan. Denn für Kinder und Jugendliche nimmt der Stress immer mehr zu. Cyber-Mobbing, Pisa-Tests, und das Smart-Phone als ständiger Begleiter. Anstatt an dem System zu rütteln, holen sich immer mehr Schulen Hilfe in Form von alten Meditationstechniken. Diese kommt zwar aus der buddhistischen Tradition, wird im Unterricht aber säkular gelehrt.

Dieser Artikel ist am 10.5.2017 in der „Wiener Zeitung“ erschienen und hier nachzulesen.

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Blutige Tatsachen

Eine Frau beim WoMenaMenstruationstassen-Programm in Uganda.© Tom Saater / WoMena

Eine Frau beim WoMenaMenstruationstassen-Programm in Uganda.© Tom Saater / WoMena

„Können wir bitte das Thema wechseln?“ Egal ob männlich oder weiblich: Kommt man auf Menstruation zu sprechen, reagiert der Gesprächspartner meist irritiert bis angeekelt. Das, was die knappe Hälfte der Weltbevölkerung monatlich erlebt, ist also ein Tabuthema, über das man besser nicht spricht. Wenn Frauen Monat für Monat bluten, halten sie das geheim und stecken einander Tampons zu, als würden sie Drogen dealen. Ist das schlimm? Muss ja nicht jeder wissen, oder?

Dieser Artikel ist am 9.3.2017 in der „Wiener Zeitung“ erschienen und hier nachzulesen.

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Feminismus für alle

2017-03-10-PHOTO-00000562Sie verbrennen BHs, hassen Männer, sind wütend und sexuell frustriert. Diese Klischees schwirren vielen im Kopf herum, wenn sie an Feministinnen denken. Warum eigentlich? Feminismus definiert sich als „akademische und politische Bewegung, die für Gleichberechtigung, Menschenwürde, die Selbstbestimmung von Frauen und gegen Sexismus eintritt“. Klingt nicht sehr radikal.

Dennoch gibt es kaum eine politische Bewegung, die derart stigmatisiert ist. Oft sagen Menschen, sie seien für Gleichberechtigung, nicht aber für Feminismus. Um ein Problem bekämpfen zu können, muss man es jedoch beim Namen nennen. Verfechter der Gerechtigkeit, die vom Feminismus Abstand nehmen, negieren, dass Frauen jahrhundertelang schlechter gestellt waren als Männer – und es nach wie vor sind.

Dieser Text ist Ausschnitt eines größeren Artikels zum Thema Feminismus und am 4.3.2017 im „Extra“, der Literaturbeilage der „Wiener Zeitung“, erschienen. In seiner vollen Längen ist er hier nachzulesen.

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Sind Frauennetzwerke feministisch?

In Österreich werden politische Entscheidungen auf der Fußballtribüne oder beim Wirten bei einem Glas Spritzwein oder einem Krügerl Bier getroffen. Man kennt einander, man (be)fördert einander. Frauen sind hier meist nicht dabei. Frauennetzwerke wollen ein Gegengewicht bilden, indem sie Treffen, Seminare oder Mentoring nur für Frauen anbieten.

Dieser Kommentar ist am 5.3.2017 in der Wiener Zeitung erschienen und hier nachzulesen.

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