Erinnerung an ehemalige KZ-Insassinnen

Rosa Jochmann und andere ehemalige Gefangene des KZ Ravensbrück (c) www.ravensbrueckerinnen.at

(c) www.ravensbrueckerinnen.at

Technisch realisiert wurde die Homepage von sieben Schülern der HTL Donaustadt. Die Widerstandskämpferin Thusnelda Bucher war 1932 an der Höttinger Schlacht beteiligt, bei der ein Treffen von Nationalsozialisten gewaltsam verhindert wurde. Theresia Franzl kam aufgrund ihrer Abstammung gemeinsam mit ihrem dreijährigen Sohn in ein „Zigeunerfamilienlager“. Die Kärntner Slowenin Anna Kupper unterstützte Partisanen, indem sie ihnen Essen in den Wald schmuggelte. Die Gründe der Verfolgung sind mannigfaltig, gemein ist diesen Frauen, dass das Konzentrationslager (KZ) Ravensbrück eine von vielen Stationen auf ihrem Leidensweg war. Nun können Videointerviews von Überlebenden und 1700 Namen ehemaliger KZ-Insassinnen in einer Datenbank abgerufen werden, 30 Lebensgeschichten sind nachzulesen: Die Homepage www.ravensbrueckerinnen.at wurde am Dienstag präsentiert und soll Forschern, Schülern und Lehrern, aber auch anderen Interessierten bei der Recherche helfen.

Die technische Umsetzung der Homepage haben sieben Schüler der HTL Donaustadt im Rahmen eines Maturaprojekts übernommen. Eine Google Map zeigt etwa die Haftwege der Verfolgten, auch die umfangreiche Suchmaske haben die HTL-Schüler entwickelt, im „Lernraum“, finden Lehrer Materialien für ihren Unterricht.

Interesse und Widerstand
Immer wieder hört man, Schüler seien vom Thema Nationalsozialismus bereits übersättigt – eine Wahrnehmung, welche die Soziologin und Politologin Brigitte Halbmayr nicht teilen kann. Sie spricht vielmehr von „großem Interesse nach anfänglichem Widerwillen“ – und selbst dieser würde eher den Widerwillen der Lehrer spiegeln, wie sie sagt.

15 Jahre lang hat Halbmayr gemeinsam mit ihrer Kollegin Helga Amesberger vom Institut für Konfliktforschung zum KZ Ravensbrück geforscht, fünf Jahre lang widmeten sie sich dem Aufspüren von Namen österreichischer Häftlinge. Die Website soll die Forschungsergebnisse einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen, ohne zu moralisieren.

Auch kontroversielle Themen werden auf der Homepage nicht ausgespart, Halbmayr nennt als Beispiel sexuelle Gewalt in den Lagern und die Rolle der Funktionshäftlinge – Häftlinge, die für Leitungsaufgaben eingesetzt und dafür gegenüber anderen Häftlingen bessergestellt wurden. Wichtig ist Halbmayr, Österreichs Umgang mit Verfolgten auch nach der Befreiung und heute zu hinterfragen. „Extrem schwierig“ sei es gewesen, Gelder für das Projekt auf die Beine zu stellen, Unterstützung kam schließlich vom Unterrichts- und Sozialministerium, von der Österreichischen Nationalbank, vom Zukunftsfonds und von der Stadt Wien. Und die Aufarbeitung ist nicht zu Ende: Die Homepage soll laufend mit neuen Forschungsergebnissen befüllt werden.

Information
Das KZ Ravensbrück befand sich 100 Kilometer nördlich von Berlin, 1938 wurde es unter Anordnung von SS-Reichsführer Heinrich Himmler als Frauenlager gegründet. 1941 kam ein kleines Männerlager dazu, mit Uckermark entstand 1942 ein Lager für 16- bis 21-jährige Mädchen. Zwischen 1939 und 1945 befanden sich im KZ Ravensbrück insgesamt 123.000 bis 135.000 Menschen aus 40 Nationen in Haft, davon mindestens 2700 aus Österreich.

Dieser Artikel ist am 7.5.2013 in der Wiener Zeitung erschienen und hier nachzulesen.