Schlagwort-Archiv: Asyl

„Ich will keine Revolution, sondern Experimente“

(c) Bernard Galewski

(c) Bernard Galewski

„Wir müssen wieder lernen, unterschiedlicher Meinung zu sein. Der erste Impuls ist, nach Gemeinsamkeiten zu suchen. Doch dann entdeckt man plötzlich Unterschiede – und das ist gut so“, sagt der Historiker und Philosoph Theodore Zeldin. Ich traf ihn in seinem Haus nahe Oxford zum Interview, heraus kam ein langes Gespräch darüber, wie man leben soll und warum er gegen Achtsamkeit ist. Das Interview ist am 29.9.2018 im „Extra“ der „Wiener Zeitung“ erschienen.

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„Ich werde niemals zulassen, dass du als Schwuler lebst“

DnDh7EZW4AAZAeK.jpg-largeDa ihm sein Bruder mit Mord drohte, suchte Sami vor einem Jahr um Asyl an.
Bis vor wenigen Jahren führte Sami (Name von der Redaktion geändert, Anm.) ein Doppelleben. Als ihn seine Familie fragte, warum er keine Freundin habe, log er, ihm fehle die Zeit. Dabei hatte er immer wieder Liebesbeziehungen mit Männern, im Geheimen. „Es war ein Leben in ständiger Angst“, erzählt Sami heute. Wir treffen den jungen Mann mit dem fein säuberlich getrimmten Bart in einem Kaffeehaus, wo er den ersten Radler seines Lebens trinkt – und zur Hälfte stehen lässt, weil ihm das Biermischgetränk zu süß schmeckt.
Dieser Artikel ist am 15.9.2018 in der „Wiener Zeitung“ erschienen.
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Alleingelassen im Sozialstaat

© APA/dpa-Zentralbild/arifoto UG

© APA/dpa-Zentralbild/arifoto UG

Zwei Mädchen sind schwer krank, und trotzdem dauert es Wochen, bis sie behandelt werden. Grund dafür ist, dass sie bis heute keinen Erziehungsberichtigten haben, der für sie verantwortlich ist. Shogufa, 13, und ihre Schwester Nahid, 12, leiden an Neurofibromatosis. Das ist eine vererbbare Multiorganerkrankung, bei der den Betroffenen Tumore wachsen. Nahid wächst ein Tumor am Hals, bei ihrer Schwester Shougufa bestand seit dem Vorjahr der Verdacht auf einen Gehirntumor, der sich vor wenigen Wochen bestätigt hat.

Dieser Artikel ist am 17.2.2017 in der „Wiener Zeitung“ erschienen.

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Krankenkassen prüfen Vertriebe

GPA drängt auf Anstellung der Austräger und droht mit Nachzahlung.
„Es handelt sich um eine offene arbeits- und sozialrechtliche Baustelle“, sagt Karl Proyer, stellvertretender Geschäftsführer der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) zur „Wiener Zeitung“. Die Krankenkassen, insbesondere die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK), würde derzeit „sozialversicherungsrechtliche Prüfungen vornehmen“, so Proyer. Dort will man das nicht bestätigen, sagt aber, bei den Zeitungszustellern werde ohnehin routinemäßig geprüft.

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Das Leben in der Warteschleife

Patricia Muyumba (c) S. Jenis

Zehntausende Asylsuchende sind in Österreich zum Nichtstun verdammt – drei von ihnen im Porträt. Wien. Basil Haji ist der älteste Sohn seiner Familie, mit 13 Jahren floh er aus Syrien. Ähnlich die Motive der Armenierin Anna Markaryan: Ihr Bruder wurde politisch verfolgt, also verließen sie gemeinsam das Land. Die damals 17-jährige Patricia Muyumba trieb der kongolesische Bürgerkrieg im die Flucht. Ihre Geschichten sind unterschiedlich, und doch eint sie die Warteschleife, in der sie sich befinden, seit sie in Österreich um Asyl angesucht haben. Basil ist seit zwei Jahren in Österreich, Patricia seit acht Jahren, jeweils war der erste Asylantrag negativ, der zweite steht noch aus. Markaryan ist seit 12 Jahren in Österreich, ihre Asylanträge wurden beide abgelehnt, seit 2010 wartet sie, ob ihr humanitäres Bleiberecht gewährt wird: „Das Leben besteht nur aus Warten“, seufzt Markaryan.


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„Nichts tun zu dürfen, das ist wie geistige Folter“

(c) Autofocus

Interview mit Heinz Ratz: Der deutsche Musiker ist mit Asylwerbern auf Deutschland-Tour960 Kilometer laufen für Obdachlose, 850 Kilometer schwimmen für den Artenschutz, 7000 Kilometer Radfahren für Flüchtlinge: Der deutsche Musiker Heinz Ratz weiß, wie man Menschen ins Rampenlicht holt, die sonst im Abseits stehen. Als er vor zwei Jahren beim „moralischen Triathlon“ 80 Flüchtlingsheime mit seinem Rad besuchte, fand er auf desaströse Lebensbedingungen – und musikalisches Talent. Mit 30 Asylwebern nahm seine Band „Strom & Wasser“ eine abwechslungsreiche CD auf: Reggae von der Elfenbeinküste, Balladen aus Somalia und Gambia, afghanischer Rap. 50 Mal standen die Refugees heuer auf der Bühne, bis Jahresende wollen sie noch einmal so viele Konzerte geben. Begleitet hat sie ein Kamerateam, im Herbst kommt die Dokumentation „Can’t Be Silent“ ins Kino.

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Aus den Medien, aus dem Sinn

"Wo wart ihr so lange?" fragt Khan Adalat (l.), hier mit zwei Kollegen im Servitenkloster (c) Stanislav Jenis

„Wo wart ihr so lange?“ fragt Khan Adalat (l.), hier mit zwei Kollegen im Servitenkloster (c) Stanislav Jenis

Mit dem Auszug aus der Votivkirche verlor die Öffentlichkeit das Interesse – die 60 Flüchtlinge im Servitenkloster befürchten unterdessen Abschiebung und drohen mit Protesten – eine Reportage

Ein knappes Dutzend Männer hockt am Boden, über ihnen flimmert grelles Neonlicht. Seit sie vor zwei Monaten aus der Votivkirche ausgezogen sind, leben die Flüchtlinge im Servitenkloster in Wien-Alsergrund. Die oberen Stockwerke wirken mit Spinden in den Gängen und kleinen Zimmern wie eine Mischung aus Gefängnis und desolatem Studentenwohnheim. Im Kellergewölbe sitzen die jungen Männer zwischen kaputten Feldbetten, hin und wieder tunkt einer von ihnen Fladenbrot in Hühner- oder Rindfleischeintopf. Der Hungerstreik, in dem sie sich vor einigen Wochen noch befanden, ist beendet und soll auch nicht wieder aufgenommen werden. Doch der Protest ist noch lange nicht vorbei, wie sie in einer Pressekonferenz am Mittwoch ankündigten.

Dieser Artikel ist am 24.4.2013 in der „Wiener Zeitung“ erschienen und im Original hier nachzulesen.

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Protest aus der Kirche

In Wien protestieren Flüchtlinge für mehr Rechte für Asylsuchende. Die österreichische Regierung kommt ihnen kaum ent­gegen. Es ist mitten in der Nacht, ein Campingtisch wird zwischen riesigen Baggerschaufeln zerquetscht, Zeltstangen werden auseinandergebrochen. Bei der polizeilichen Räumung des Protestcamps der Flüchtlinge in Wien am 28. Dezember wurde nicht lange gefackelt, die gesamte Infrastruktur wurde mit beachtlichem Polizei- und Lastfahrzeugaufgebot zerstört.

Dieser Artikel ist am 17. Jänner 2013 in der Jungle World erschienen. Das Original ist hier zu lesen. Weiterlesen

Links zum Thema

Der Protest der Refugees hat medial und auch politisch die Debatte über die Lebensbedingungen von Asylwerbern, aber auch generell über den Umgang mit Flüchtlingen in Österreich ins Laufen gebracht. Hier eine kleine (!) Auswahl an Artikeln und Beiträgen, die besondere Erwähnung verdienen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit).

Links zu Artikeln & Beiträgen:
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Der Asylprotest lässt sich nicht einfach abwürgen

Die Innenministerin nahm also das Gespräch mit den Flüchtlingen auf. Damit wollte Johanna Mikl-Leitner in der vermeintlichen Patt-Situation angesichts der hungerstreikenden Flüchtlinge in der Votivkirche in die Offensive gehen. Doch wie ihre vorherigen Versuche, den Protest abzuwürgen, scheiterte auch dieser.

Dieser Text ist am 7.1.2013 als Kommentar in der Wiener Zeitung erschienen und im Original hier zu lesen.

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