SALON FIGL

„Achtsamkeit ist ein Tranquilizer“

Hannah Assouline

Hannah Assouline

Meditation ist narzisstisch und geht nicht an die Wurzel des Problems: Theodore Zeldin, Historiker an der Universität Oxford, steht Meditation und Achtsamkeit kritisch gegenüber. Das Interview ist am 10.5.2017 in der „Wiener Zeitung“ erschienen und hier nachzulesen.

Professor Zeldin, Sie sind ein Gegner der Achtsamkeit. Sie sagen, Achtsamkeit halte die Welt vom Denken ab – wie meinen Sie das?

„Theodore Zeldin“: Jeder kann tun und lassen was er will, aber ich kann Ihnen erzählen, warum ich Achtsamkeit nicht befürworte und für kontraproduktiv halte. Achtsamkeit muss regelmäßig praktiziert werden, es ist keine Kur, sondern wie ein Tranquilizer, den man jeden Tag einnehmen muss. Ein Problem an „Mindfulness“-Konzepten ist, dass es das Wissen der Welt nicht vermehrt. Und ohne Wissenszuwachs kann man die Probleme dieser Welt nicht bewältigen. Weiterlesen…

Das meditierende Klassenzimmer

Luiza PuiuDer Leistungsdruck an Schulen steigt. Immer öfter findet sich deshalb Achtsamkeit auf dem Stundenplan. Jugendliche, die auf Dreck starren – und das im Schulunterricht. „Hier, dieser Dreck! Das ist mir noch nie aufgefallen!“ sagt Lehrerin Verónica Pagura, Lehrerin an der Vienna International School. Sie steht im dunklen Klassenzimmer und leuchtet mit einer Taschenlampe auf einen grauen Fleck an der Decke. Die Teenager haben ihre Köpfe in den Nacken gelegt, ihre Blicke folgen dem Licht. Die Taschenlampe soll veranschaulichen, was passiert, wenn man still wird und seine Gedanken beobachtet.

Mindfulness statt Mathe: Heute steht in der Vienna International School im 22. Bezirk Achtsamkeit am Stundenplan. Denn für Kinder und Jugendliche nimmt der Stress immer mehr zu. Cyber-Mobbing, Pisa-Tests, und das Smart-Phone als ständiger Begleiter. Anstatt an dem System zu rütteln, holen sich immer mehr Schulen Hilfe in Form von alten Meditationstechniken. Diese kommt zwar aus der buddhistischen Tradition, wird im Unterricht aber säkular gelehrt.

Dieser Artikel ist am 10.5.2017 in der „Wiener Zeitung“ erschienen und hier nachzulesen.

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Flüchtlinge als Quotenbringer

taz

(Abfotografiert aus der taz)

Beim Internationalen Journalismusfestival in Perugia ging es um den Umgang mit dem Thema Flucht.

Alle Kinostühle sind besetzt, die Zuspätkommenden pferchen sich auf dunkle Holzbänke. Ganz Perugia, so scheint es, ist in den prunkvollen, mit Fresken übersäten Sala dei Notari gekommen, um zu hören, was der Lampedusa-Arzt Pietro Bartolo, die UNHCR-Südeuropa-Sprecherin Carlotta Sami und eine Handvoll JournalistInnen zum Thema Migration zu sagen haben. Diskutiert wird lautstark auf Italienisch, im Publikum sitzen mehr Einheimische als JournalistInnen.

Vergangene Woche fand im italienischen Bergstädtchen Perugia das 11. Internationale Journalismusfestival statt. Flucht, einer der Festival-Schwerpunkte, lässt hier niemanden kalt. Kein Wunder, schließlich starben im Vorjahr mehr als 5.000 Menschen im Mittelmeer.

Dieser Artikel ist am 13.4.2017 in der taz erschienen.

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Blutige Tatsachen

Eine Frau beim WoMenaMenstruationstassen-Programm in Uganda.© Tom Saater / WoMena

Eine Frau beim WoMenaMenstruationstassen-Programm in Uganda.© Tom Saater / WoMena

„Können wir bitte das Thema wechseln?“ Egal ob männlich oder weiblich: Kommt man auf Menstruation zu sprechen, reagiert der Gesprächspartner meist irritiert bis angeekelt. Das, was die knappe Hälfte der Weltbevölkerung monatlich erlebt, ist also ein Tabuthema, über das man besser nicht spricht. Wenn Frauen Monat für Monat bluten, halten sie das geheim und stecken einander Tampons zu, als würden sie Drogen dealen. Ist das schlimm? Muss ja nicht jeder wissen, oder?

Dieser Artikel ist am 9.3.2017 in der „Wiener Zeitung“ erschienen und hier nachzulesen.

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Feminismus für alle

2017-03-10-PHOTO-00000562Sie verbrennen BHs, hassen Männer, sind wütend und sexuell frustriert. Diese Klischees schwirren vielen im Kopf herum, wenn sie an Feministinnen denken. Warum eigentlich? Feminismus definiert sich als „akademische und politische Bewegung, die für Gleichberechtigung, Menschenwürde, die Selbstbestimmung von Frauen und gegen Sexismus eintritt“. Klingt nicht sehr radikal.

Dennoch gibt es kaum eine politische Bewegung, die derart stigmatisiert ist. Oft sagen Menschen, sie seien für Gleichberechtigung, nicht aber für Feminismus. Um ein Problem bekämpfen zu können, muss man es jedoch beim Namen nennen. Verfechter der Gerechtigkeit, die vom Feminismus Abstand nehmen, negieren, dass Frauen jahrhundertelang schlechter gestellt waren als Männer – und es nach wie vor sind.

Dieser Text ist Ausschnitt eines größeren Artikels zum Thema Feminismus und am 4.3.2017 im „Extra“, der Literaturbeilage der „Wiener Zeitung“, erschienen. In seiner vollen Längen ist er hier nachzulesen.

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Sind Frauennetzwerke feministisch?

In Österreich werden politische Entscheidungen auf der Fußballtribüne oder beim Wirten bei einem Glas Spritzwein oder einem Krügerl Bier getroffen. Man kennt einander, man (be)fördert einander. Frauen sind hier meist nicht dabei. Frauennetzwerke wollen ein Gegengewicht bilden, indem sie Treffen, Seminare oder Mentoring nur für Frauen anbieten.

Dieser Kommentar ist am 5.3.2017 in der Wiener Zeitung erschienen und hier nachzulesen.

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Alleingelassen im Sozialstaat

© APA/dpa-Zentralbild/arifoto UG

© APA/dpa-Zentralbild/arifoto UG

Zwei Mädchen sind schwer krank, und trotzdem dauert es Wochen, bis sie behandelt werden. Grund dafür ist, dass sie bis heute keinen Erziehungsberichtigten haben, der für sie verantwortlich ist. Shogufa, 13, und ihre Schwester Nahid, 12, leiden an Neurofibromatosis. Das ist eine vererbbare Multiorganerkrankung, bei der den Betroffenen Tumore wachsen. Nahid wächst ein Tumor am Hals, bei ihrer Schwester Shougufa bestand seit dem Vorjahr der Verdacht auf einen Gehirntumor, der sich vor wenigen Wochen bestätigt hat.

Dieser Artikel ist am 17.2.2017 in der „Wiener Zeitung“ erschienen.

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Raus aus der sozialen Blase

170118-1658-thumb-img-4305-1024Die Linke muss mehr tun, als kämpferische T-Shirts überzuziehen und Trump-Piñatas zu basteln.

Die Busse nach Washington D.C. sind seit Wochen ausgebucht. Einen Tag nach der Angelobung von Donald Trump wird die linksliberale USA eine Pilgerreise ins Kapitol starten, wo sich 200.000 Menschen dem „Women‘s March on Washington“ anschließen wollen. Das wären noch mehr Gegendemonstranten als damals bei der Angelobung von George W. Bush Jr. Das macht Trump zum wohl unbeliebtesten Präsidenten aller Zeiten. Besonders das liberale Amerika wurde von diesem Wahlergebnis eiskalt erwischt. Wie konnte das geschehen? Warum wurde die amerikanische Linke von einem Präsidenten Trump so sehr überrascht, und welche Lehren sollte sie daraus ziehen?

Dieser Artikel ist am 20.1.2017 hier erschienen.

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„Für mich war Schule eine transformative Erfahrung“

Der US-amerikanische Bildungsminister John King über Studienkredite, frühkindliche Erziehung und wie Schule sein Leben rettete.

"Kürzungen der Staatsausgaben hatten zur Folge, dass Studieren teurer wurde. Diesen Kurs müssen die Bundesstaaten revidieren", sagt King.

„Kürzungen der Staatsausgaben hatten zur Folge, dass Studieren teurer wurde. Diesen Kurs müssen die Bundesstaaten revidieren“, sagt King.

Studienkredite waren ein viel diskutiertes Thema im Präsidentschaftswahlkampf. Präsident Barack Obama hat seinen Kredit bis 2004 zurückbezahlt, damals war er Senator im US-Staat Illinois. Haben Sie Ihre Uni-Schulden schon abbezahlt?

John B. King Jr.: Nein, noch nicht. Meine Frau und ich haben beide (unter anderen, Anm.) in Harvard studiert, und wir hoffen, dass wir die Schulden abbezahlt haben, bevor unsere Töchter ans College gehen.

Das Interview ist am 4.11.2016 in der „Wiener Zeitung“ erschienen.

Welche Maßnahmen haben Sie in diesem Bereich gesetzt?

Wir haben 60 Milliarden Dollar, die sonst Banken bekommen hätten, als Direktkredite an Studierende vergeben, Pell Grants (staatliche Stipendien für Bachelor-Studierende mit geringem Einkommen, Anm.) um über 1000 Dollar pro Stipendiat erhöht, es gibt Steuergutschriften, und Präsident Obama hat einkommensbezogene Rückzahlungen eingeführt (staatliche Kredite müssen nur bis zu maximal 10 Prozent des Jahreseinkommens zurückbezahlt werden – hat ein Absolvent den Kredit innerhalb von 20 Jahren nicht zurückgezahlt, werden die Schulden erlassen, Anm.)

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Publikumsmagnet Black History

Das Design des Überbaus des N.M.A.A.H.C. erinnert an westafrikanische Textilien.© B. Figl

Das Design des Überbaus des N.M.A.A.H.C. erinnert an westafrikanische Textilien.© B. Figl

Das Nationale Museum für afroamerikanische Geschichte hat den letzten freien Platz an der National Mall bekommen.

Washington D.C. Schulklassen, Menschen mit Dreadlocks und ergraute Vietnam-Veteranen warten auf den Lift, um in die Ausstellung „Sklaverei und Freiheit“ zu gelangen. Sie haben, mit Glück oder durch Beziehungen, Tickets für das N.M.A.A.H.C. ergattert, für das neue Nationale Museum für Afro-Amerikanische Geschichte und Kultur. Während sie warten, betrachten sie Schwarzweißfotos afro-amerikanischer Persönlichkeiten an der Wand.

Diese Reportage ist am 8.11.2016 in der „Wiener Zeitung“ erschienen. Weiterlesen…