Schlagwort-Archiv: Interview

„Ich will keine Revolution, sondern Experimente“

(c) Bernard Galewski

(c) Bernard Galewski

„Wir müssen wieder lernen, unterschiedlicher Meinung zu sein. Der erste Impuls ist, nach Gemeinsamkeiten zu suchen. Doch dann entdeckt man plötzlich Unterschiede – und das ist gut so“, sagt der Historiker und Philosoph Theodore Zeldin. Ich traf ihn in seinem Haus nahe Oxford zum Interview, heraus kam ein langes Gespräch darüber, wie man leben soll und warum er gegen Achtsamkeit ist. Das Interview ist am 29.9.2018 im „Extra“ der „Wiener Zeitung“ erschienen.

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„Von der sexuellen Befreiung der Frau sind wir weit entfernt“

Regisseurin Gabriele Schweiger (c) Gisela Erlacher

Regisseurin Gabriele Schweiger (c) Gisela Erlacher

Regisseurin Gabriele Schweiger über weibliche Schamgefühle, Schönheitsideale und ihren neuen Dokumenatfilm „Viva la Vulva“.

Frau Schweiger, Wie kamen Sie auf die Idee, einen Film über die Vulva zu drehen?

Gabriele Schweiger: Vor einigen Jahren habe ich einen Vortrag eines bekannten Wiener Schönheitschirurgen besucht. Der zeigte Bilder von größeren oder asymmetrischen Schamlippen, und sagte, er verstehe, dass diese Frauen eine OP wollen. Ich habe mir gedacht: „Das schaut ganz normal aus.“ Und dann sagte er, er würde nie eine Frau operieren, die nicht freiwillig zu ihm kommt. Ich frage mich: Wie frei ist diese Entscheidung?

Dieses Interview ist am 21.7.2018 in der „Wiener Zeitung“ erschienen.
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Fan-Zone der Republik

(c) Luiza Puiu

Die Historiker Georg Spitaler und Agnes Meisinger erforschen die Geschichte des Sports am Heldenplatz. Foto: Luiza Puiu

Arbeiter-Olympiade, olympisches Feuer am Burgtor, Empfang von Karl Schranz: Tausende Sportbegeisterte machten den Heldenplatz im 20. Jahrhundert zum Sportplatz.  Agnes Meisinger steht am Heldenplatz und zeigt auf das Dach des Äußeren Burgtores, durch den der Eiskunstläufer Karl Schäfer 1936 die olympische Fackel trug. Sie erzählt: „Als ein Windstoß kam, hat er sich dabei den Kopf verbrannt.“ Das ist eines von vielen Details, das die Sporthistorikerin entdeckte, als sie zur Geschichte des Sports am Heldenplatz forschte.

Das Interview ist am 11. März 2018 in der Wiener Zeitung erschienen.

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„Studiengebühren sind nie sozial verträglich“

Moritz Ziegler

(c) Moritz Ziegler

Die neue Rektoren-Chefin rät Studentenvertretern zu Protestaktionen und lehnt Studiengebühren generell ab. Dieses Interview ist am 26.1.2018 in der „Wiener Zeitung“ erschienen.

Sie sind seit Anfang des Jahres Präsidentin der Universitätenkonferenz (Uniko). Es gab keine Gegenkandidatur. Ist der Job so unbeliebt?

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„Ich stehe auf der Todesliste“

ASLI ERDOGAN FOTOGRAF MUHSIN AKGUN RADIKAL

(c) Muhsin Akgun Radikal

Die renommierte türkische Autorin Asli Erdogan über ihre Zeit im Gefängnis, Deniz Yücel und den Kurvenkonflikt. 

Die türkische Armee kämpft nun gegen syrische Kurden. Sind Sie überrascht? Asli Erdogan: Es war klar, dass sie bei der ersten Möglichkeit angreifen werden. Es stimmt mich traurig, dass mein Land Krieg betreibt. Ich befürchte, das ist das Ende all unserer Hoffnungen auf eine friedliche Lösung.

Dieses Interview ist am 24.1.2018 in der „Wiener Zeitung“ erschienen.

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„Mein Rat lautet: Keep cool!“

© Oliver Wolff http://www.oliwolff.com

© Oliver Wolff http://www.oliwolff.com

Seit Günther Krabbenhöft vor zwei Jahren von Touristen am U-Bahn-Steig in Berlin fotografiert wurde, hat sich sein Leben auf einen Schlag geändert. Heute jobbt der 72-Jährige, der fast sein ganzes Leben lang als Koch gearbeitet hat, als Model und Stilberater, und er ist ein Star in den sozialen Netzwerken. Dass die Fotos für dieses Interview am Berliner Tempelhofer Feld entstehen sollten, gefiel ihm nicht – er kann große Menschenansammlungen nicht leiden und kritisiert, dass an diesem Platz keine Sozialwohnungen entstehen. Doch als er dann im Abendlicht zwischen Sonnenblumen für die Kamera posiert, ist er wieder in seinem Element. Er kommt mit zwei 10-Jährigen in Fußball-Trikots ins Gespräch und erklärt ihnen, dass sich ein Gentleman stets höflich und respektvoll verhält.

Dieser Artikel ist am 23.9.2017 im Extra der Wiener Zeitung erschienen.

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„Ein paar zerbrochene Fensterscheiben gehören dazu“

Reinhard Kreissl leitet das Wiener Zentrum für sozialwissenschaftliche Sicherheitsforschung. © privat

Reinhard Kreissl leitet das Wiener Zentrum für sozialwissenschaftliche Sicherheitsforschung. © privat

Der Kriminalsoziologe Kreissl warnt vor Verschärfungen beim Versammlungsrecht. Österreichs Polizeistruktur und Führung im Ernstfall hält er für verbesserungswürdig. Weil in Hamburg beim G-20-Gipfel Autos angezündet und Fensterscheiben eingeschlagen wurden, sollen sich in Österreich die Gesetze ändern? Dafür sieht der Sozialkriminologe Reinhard Kreissl keine Notwendigkeit. Warum er gegen das Vermummungsverbot ist und wieso politischer Gipfeltreffen weiterhin in Großstädten ausgetragen werden sollen, erklärt er im Interview. Den ausführlichen Artikel zum Einsatz der österreichischen Polizei bei G-20 lesen Sie hier.

Ist es für Sie nachvollziehbar, dass Innenminister Sobotka den G-20-Protest zum Anlass nimmt, um das Versammlungsrecht anzupassen?

Das Interview ist am 5.8.2017 in der „Wiener Zeitung“ erschienen.

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„Achtsamkeit ist ein Tranquilizer“

Hannah Assouline

Hannah Assouline

Meditation ist narzisstisch und geht nicht an die Wurzel des Problems: Theodore Zeldin, Historiker an der Universität Oxford, steht Meditation und Achtsamkeit kritisch gegenüber. Das Interview ist am 10.5.2017 in der „Wiener Zeitung“ erschienen und hier nachzulesen.

Professor Zeldin, Sie sind ein Gegner der Achtsamkeit. Sie sagen, Achtsamkeit halte die Welt vom Denken ab – wie meinen Sie das?

„Theodore Zeldin“: Jeder kann tun und lassen was er will, aber ich kann Ihnen erzählen, warum ich Achtsamkeit nicht befürworte und für kontraproduktiv halte. Achtsamkeit muss regelmäßig praktiziert werden, es ist keine Kur, sondern wie ein Tranquilizer, den man jeden Tag einnehmen muss. Ein Problem an „Mindfulness“-Konzepten ist, dass es das Wissen der Welt nicht vermehrt. Und ohne Wissenszuwachs kann man die Probleme dieser Welt nicht bewältigen. Weiterlesen

„Für mich war Schule eine transformative Erfahrung“

Der US-amerikanische Bildungsminister John King über Studienkredite, frühkindliche Erziehung und wie Schule sein Leben rettete.

"Kürzungen der Staatsausgaben hatten zur Folge, dass Studieren teurer wurde. Diesen Kurs müssen die Bundesstaaten revidieren", sagt King.

„Kürzungen der Staatsausgaben hatten zur Folge, dass Studieren teurer wurde. Diesen Kurs müssen die Bundesstaaten revidieren“, sagt King.

Studienkredite waren ein viel diskutiertes Thema im Präsidentschaftswahlkampf. Präsident Barack Obama hat seinen Kredit bis 2004 zurückbezahlt, damals war er Senator im US-Staat Illinois. Haben Sie Ihre Uni-Schulden schon abbezahlt?

John B. King Jr.: Nein, noch nicht. Meine Frau und ich haben beide (unter anderen, Anm.) in Harvard studiert, und wir hoffen, dass wir die Schulden abbezahlt haben, bevor unsere Töchter ans College gehen.

Das Interview ist am 4.11.2016 in der „Wiener Zeitung“ erschienen.

Welche Maßnahmen haben Sie in diesem Bereich gesetzt?

Wir haben 60 Milliarden Dollar, die sonst Banken bekommen hätten, als Direktkredite an Studierende vergeben, Pell Grants (staatliche Stipendien für Bachelor-Studierende mit geringem Einkommen, Anm.) um über 1000 Dollar pro Stipendiat erhöht, es gibt Steuergutschriften, und Präsident Obama hat einkommensbezogene Rückzahlungen eingeführt (staatliche Kredite müssen nur bis zu maximal 10 Prozent des Jahreseinkommens zurückbezahlt werden – hat ein Absolvent den Kredit innerhalb von 20 Jahren nicht zurückgezahlt, werden die Schulden erlassen, Anm.)

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