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Tag: Interview

„Ein paar zerbrochene Fensterscheiben gehören dazu“

Reinhard Kreissl leitet das Wiener Zentrum für sozialwissenschaftliche Sicherheitsforschung. © privat

Reinhard Kreissl leitet das Wiener Zentrum für sozialwissenschaftliche Sicherheitsforschung. © privat

Der Kriminalsoziologe Kreissl warnt vor Verschärfungen beim Versammlungsrecht. Österreichs Polizeistruktur und Führung im Ernstfall hält er für verbesserungswürdig. Weil in Hamburg beim G-20-Gipfel Autos angezündet und Fensterscheiben eingeschlagen wurden, sollen sich in Österreich die Gesetze ändern? Dafür sieht der Sozialkriminologe Reinhard Kreissl keine Notwendigkeit. Warum er gegen das Vermummungsverbot ist und wieso politischer Gipfeltreffen weiterhin in Großstädten ausgetragen werden sollen, erklärt er im Interview. Den ausführlichen Artikel zum Einsatz der österreichischen Polizei bei G-20 lesen Sie hier.

Ist es für Sie nachvollziehbar, dass Innenminister Sobotka den G-20-Protest zum Anlass nimmt, um das Versammlungsrecht anzupassen?

Das Interview ist am 5.8.2017 in der „Wiener Zeitung“ erschienen.

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„Achtsamkeit ist ein Tranquilizer“

Hannah Assouline

Hannah Assouline

Meditation ist narzisstisch und geht nicht an die Wurzel des Problems: Theodore Zeldin, Historiker an der Universität Oxford, steht Meditation und Achtsamkeit kritisch gegenüber. Das Interview ist am 10.5.2017 in der „Wiener Zeitung“ erschienen und hier nachzulesen.

Professor Zeldin, Sie sind ein Gegner der Achtsamkeit. Sie sagen, Achtsamkeit halte die Welt vom Denken ab – wie meinen Sie das?

„Theodore Zeldin“: Jeder kann tun und lassen was er will, aber ich kann Ihnen erzählen, warum ich Achtsamkeit nicht befürworte und für kontraproduktiv halte. Achtsamkeit muss regelmäßig praktiziert werden, es ist keine Kur, sondern wie ein Tranquilizer, den man jeden Tag einnehmen muss. Ein Problem an „Mindfulness“-Konzepten ist, dass es das Wissen der Welt nicht vermehrt. Und ohne Wissenszuwachs kann man die Probleme dieser Welt nicht bewältigen. Weiterlesen…

„Für mich war Schule eine transformative Erfahrung“

Der US-amerikanische Bildungsminister John King über Studienkredite, frühkindliche Erziehung und wie Schule sein Leben rettete.

"Kürzungen der Staatsausgaben hatten zur Folge, dass Studieren teurer wurde. Diesen Kurs müssen die Bundesstaaten revidieren", sagt King.

„Kürzungen der Staatsausgaben hatten zur Folge, dass Studieren teurer wurde. Diesen Kurs müssen die Bundesstaaten revidieren“, sagt King.

Studienkredite waren ein viel diskutiertes Thema im Präsidentschaftswahlkampf. Präsident Barack Obama hat seinen Kredit bis 2004 zurückbezahlt, damals war er Senator im US-Staat Illinois. Haben Sie Ihre Uni-Schulden schon abbezahlt?

John B. King Jr.: Nein, noch nicht. Meine Frau und ich haben beide (unter anderen, Anm.) in Harvard studiert, und wir hoffen, dass wir die Schulden abbezahlt haben, bevor unsere Töchter ans College gehen.

Das Interview ist am 4.11.2016 in der „Wiener Zeitung“ erschienen.

Welche Maßnahmen haben Sie in diesem Bereich gesetzt?

Wir haben 60 Milliarden Dollar, die sonst Banken bekommen hätten, als Direktkredite an Studierende vergeben, Pell Grants (staatliche Stipendien für Bachelor-Studierende mit geringem Einkommen, Anm.) um über 1000 Dollar pro Stipendiat erhöht, es gibt Steuergutschriften, und Präsident Obama hat einkommensbezogene Rückzahlungen eingeführt (staatliche Kredite müssen nur bis zu maximal 10 Prozent des Jahreseinkommens zurückbezahlt werden – hat ein Absolvent den Kredit innerhalb von 20 Jahren nicht zurückgezahlt, werden die Schulden erlassen, Anm.)

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„Ein Wahlkampf voller Zorn und Leidenschaft“

Carolyn Ryan, Politik-Chefin der New York Times, hat Donald Trump als nächsten US-Präsidenten noch nicht ganz abgeschrieben.

Carolyn Ryan, geb. 1964, ist Politik-Chefin der New York Times. Für die NYT arbeitet sie seit 2007, zuvor war sie beim Boston Globe. Über die Präsidentschaftswahlen berichtet sie seit den 1990er-Jahren.© John Smock

Carolyn Ryan, geb. 1964, ist Politik-Chefin der New York Times. Für die NYT arbeitet sie seit 2007, zuvor war sie beim Boston Globe. Über die Präsidentschaftswahlen berichtet sie seit den 1990er-Jahren.© John Smock

Was hat Sie dieser US-Wahlkampf gelehrt?
Carolyn Ryan: Der enthusiastische Zuspruch, den Donald Trump in den Primaries bekommen hat, hat uns sehr überrascht. Wir haben gelernt, dass wir besser verstehen müssen, was in diesem Land vor sich geht. Wir waren zu weit weg von den ökonomischen Schmerzen und dem Zorn der Menschen. In Zukunft müssen wir sicherstellen, dass wir mit den Menschen im Land in Verbindung bleiben.

Dieses Interview ist am 3.11.2016 in der „Wiener Zeitung“ erschienen.
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„Ich verteidige das Internet“

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„Wenn Mark Zuckerberg sagt, eine vernetzte Welt ist eine bessere Welt,dann glaube ich ihm das.“ © J. Smock

Der amerikanische Buchautor Jeff Jarvis über die Neuerfindung des Journalismus durch soziale Medien. 

„Wiener Zeitung“: Mr. Jarvis, eines vorweg: Das Interview soll auf Wunsch der Redaktion nicht zu „nerdig“ werden. Begreifen Sie sich als Nerd, sind Sie also ein Computerfreak?

Jeff Jarvis: Ich programmiere nicht, also bin ich kein richtiger Nerd. Aber ich wäre gerne einer, es wäre eine Ehre, ein Nerd zu sein, denn sie entwickeln die Zukunft. Ich war aber immer jener Typ im Newsroom, der sich mit Computern auskennt. Meine Karriere als Journalist begann in den 1970er Jahren bei der „Chicago Tribune“, damals kamen die ersten Computer auf. Ich arbeitete in der Nacht, wenn in Chicago Verbrechen begangen werden. Ich musste also dasitzen und warten, bis etwas passiert, habe mich gelangweilt, und begonnen, mit Computern herumzuspielen. Ich war der Einzige im Newsroom, der keine Angst vor Computern hatte, im Gegenteil, ich hatte Spaß, und das hat meinen Weg zur Technologie geebnet. 1981 habe ich mir den ersten tragbaren Computer gekauft, einen Osborne 1, für damals 2300 Dollar, und er war mein ganzer Stolz. Ich wurde schnell süchtig nach Computern, und als in den frühen 1980er Jahren Modems aufkamen, habe ich mir sofort eines gekauft. Das Web hat alles geändert.

Dieser Artikel ist am 30.4.2016 im „Extra“ der Wiener Zeitung erschienen und hier nachzulesen.  

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„Spindelegger hat ein satirisches Loch hinterlassen“

(c) Leo Bauer

(c) Leo Bauer

Die Gebrüder Moped nehmen die österreichische Innenpolitik auf’s Korn. Das Interview über Humor und Politik ist am 17.2.2015 in der „Wiener Zeitung“ erschienen.

Sie veranstalten zum ersten Mal den „politischen Aschermittwoch im Kabarett“. Wie kam es dazu?

Franz Stanzl:
In Bayern gibt es neben dem politischen Aschermittwoch den kabarettistischen Aschermittwoch. Auch wir wollen den Tag positiv besetzen, indem wir etwas machen das uns gefällt. Es ist aber keine Gegenveranstaltung zum rechten Aschermittwoch, und auch kein linker Aschermittwoch.

Aber die eingeladenen Politiker stehen schon eher links der Mitte?
Es sind genau zwei Politiker: Sigrid Maurer (Grüne) und Niko Alm (Neos). Wir haben einfach Menschen eingeladen, die uns interessieren, die wir gut finden und keine Kabarettisten sind. Auch bei Politikern haben wir grundsätzlich keine Scheu.

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Kein Heilmittel gegen Politikverdruss

(c) David Außerhofer

Demokratieforscher Wolfgang Merkel (c) David Außerhofer

Hoffnungen auf mehr Demokratie durch das Internet haben sich nur zum Teil erfüllt – Parteien bleiben Reformen nicht erspart.

Keine Frage: Das Internet hat den Zugang zu Informationen erleichtert. Doch das führt nicht automatisch zu größerer politischer Kompetenz oder stärkerer Partizipation. Das zeigt eine aktuelle Studie der Otto Brenner Stifung. „Das Internet bringt keine Wähler zurück“, lautet das ernüchternde Fazit von Studienautor und Demokratieforscher Wolfgang Merkel. Er hat untersucht, inwiefern Referenden, digitale Demokratie und deliberative Verfahren die repräsentative Demokratie stärken kann.

Dieses Interview ist am 12.6.2015 in der „Wiener Zeitung“ erschienen.

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„Schöne neue, brüchige Arbeitswelt“

Ein Interview mit Erziehungswissenschafterin Ulla Klingovsky über selektive Schulsysteme, prekäre Jobs und gefährliches Expertentum.

Während in der Bildungspolitik derzeit sehr oft vom lebenslangen Lernen die Rede ist, kritisieren Sie diesen Ansatz. Wieso?

Ulla Klingovsky: Weil die Gefahr besteht, dass sich der Staat und die Gesellschaft damit zusehends aus der Verantwortung ziehen und das Geschehen dem Markt überlassen. Ob der Einzelne am Arbeitsmarkt scheitert oder Erfolg hat: Dafür wird er allein verantwortlich gemacht.

Aber ist denn der Staat verantwortlich? Was ist mit der Verantwortung des Einzelnen?

Die Geschichte der Erwachsenenbildung ist eine politische. Menschen haben sich aus der Unmündigkeit befreit und der Vernunft bedient. Doch dieser Gestaltungsspielraum ist aufgrund der gesellschaftlichen Transformationsprozesse der vergangenen Dekaden aus dem Blick geraten. Es ist völlig verloren gegangen, dass es eine gesellschaftliche Verantwortung für unser Miteinander gibt. Es ist die Aufgabe des Staates, die strukturellen Bedingungen für Bildung zu schaffen, zu stärken und gesetzlich zu verankern, dass jeder Mensch ein Recht auf Weiterbildung hat – das ist ganz etwas anderes, als zur Pflicht der Weiterbildung aufzurufen.

Das Interview ist am 26.12.2014 in der Wiener Zeitung erschienen.

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„Layouter des Todes“

Das Selfie ist mehr als nur narzisstisch motiviert, sagt Medientheoretiker Rámon Reichert. Im Interview beschreibt er, wie sich IS-Kämpfer trotz Bilderverbots dieses neue Medium zunutze machen. Seine Lehrveranstaltung „Selfies. Eine Kultur- und Mediengeschichte der Selbstdarstellung“ findet im Wintersemester 2014 an der Uni Wien statt.

Das Interview ist am 12.11.2014 in der „Wiener Zeitung“ erschienen.

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„Es wird eine moralische Agenda verfolgt“

(c) Stanislav Jenis

(c) Stanislav Jenis

Der Sexarbeitsmarkt wird nicht von Menschenhandel dominiert, sagt Soziologin Julia O’Connell Davidson.

Bei Sexarbeit wird oft unterstellt, dass Menschenhandel im Spiel ist. Junge Frauen, die in Osteuropa gekidnappt werden und in Westeuropa zur Prostitution gezwungen werden: Passiert das oft oder sind das Einzelfälle?

Julia O’Connell Davidson: Ich sehe das oft in den Medien, aber nicht in der Realität. Natürlich gibt es furchtbare Missbrauchsfälle, aber die gibt es überall, auch im Bereich häuslicher Gewalt.

Dieser Artikel ist am 10.10.2014 in der „Wiener Zeitung“ erschienen.

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