SALON FIGL

Tag: Feminismus

Emanzipation auf Kenianisch

B. Figl

B. Figl

In Kenias patriarchaler Gesellschaft haben Frauen kaum Rechte. Ein EU-Projekt will das ändern. Ein Mann schlägt auf seine schwangere Ehefrau ein, bis sie auf dem Boden liegt. Ihre Wehen beginnen, er ignoriert sie, scherzt stattdessen mit Freunden. Es ist die Szene eines Theaterstücks, das im Slum der drittgrößten Stadt Kenias, Kisumu, aufgeführt wird. Fern der Realität ist sie jedoch nicht. Dieser Artikel ist am 25.5.2017 in der „Wiener Zeitung“ erschienen.
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Blutige Tatsachen

Eine Frau beim WoMenaMenstruationstassen-Programm in Uganda.© Tom Saater / WoMena

Eine Frau beim WoMenaMenstruationstassen-Programm in Uganda.© Tom Saater / WoMena

„Können wir bitte das Thema wechseln?“ Egal ob männlich oder weiblich: Kommt man auf Menstruation zu sprechen, reagiert der Gesprächspartner meist irritiert bis angeekelt. Das, was die knappe Hälfte der Weltbevölkerung monatlich erlebt, ist also ein Tabuthema, über das man besser nicht spricht. Wenn Frauen Monat für Monat bluten, halten sie das geheim und stecken einander Tampons zu, als würden sie Drogen dealen. Ist das schlimm? Muss ja nicht jeder wissen, oder?

Dieser Artikel ist am 9.3.2017 in der „Wiener Zeitung“ erschienen und hier nachzulesen.

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Feminismus für alle

2017-03-10-PHOTO-00000562Sie verbrennen BHs, hassen Männer, sind wütend und sexuell frustriert. Diese Klischees schwirren vielen im Kopf herum, wenn sie an Feministinnen denken. Warum eigentlich? Feminismus definiert sich als „akademische und politische Bewegung, die für Gleichberechtigung, Menschenwürde, die Selbstbestimmung von Frauen und gegen Sexismus eintritt“. Klingt nicht sehr radikal.

Dennoch gibt es kaum eine politische Bewegung, die derart stigmatisiert ist. Oft sagen Menschen, sie seien für Gleichberechtigung, nicht aber für Feminismus. Um ein Problem bekämpfen zu können, muss man es jedoch beim Namen nennen. Verfechter der Gerechtigkeit, die vom Feminismus Abstand nehmen, negieren, dass Frauen jahrhundertelang schlechter gestellt waren als Männer – und es nach wie vor sind.

Dieser Text ist Ausschnitt eines größeren Artikels zum Thema Feminismus und am 4.3.2017 im „Extra“, der Literaturbeilage der „Wiener Zeitung“, erschienen. In seiner vollen Längen ist er hier nachzulesen.

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Sind Frauennetzwerke feministisch?

In Österreich werden politische Entscheidungen auf der Fußballtribüne oder beim Wirten bei einem Glas Spritzwein oder einem Krügerl Bier getroffen. Man kennt einander, man (be)fördert einander. Frauen sind hier meist nicht dabei. Frauennetzwerke wollen ein Gegengewicht bilden, indem sie Treffen, Seminare oder Mentoring nur für Frauen anbieten.

Dieser Kommentar ist am 5.3.2017 in der Wiener Zeitung erschienen und hier nachzulesen.

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The girl on the sidewalk

For 13 years, Alaska has been living on the streets of Portland.

(c) John Strieder

(c) John Strieder

Achoo! Achoo! Achoo! Achoo! Achoo! Achoo! Achoo! Alaska sneezes herself awake. It is 8:15 A.M., and while alarm clocks remind people elsewhere that it is time to get ready for work, the sneezing reminds Alaska that it is time for her first shot. When a heroin addict is getting dope-sick, the body sends signals, often similar to catching the flu. It is the second time she has woken up this morning, in her camp in a construction zone between whistling trains and squeaking rats.

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„Auch Frauen können Faschistinnen sein“

Queer-FeminisInnen unter sich: Tiina Rosenberg und Martin J. Gössl.  © Luiza Puiu

Queer-FeminisInnen unter sich: Tiina Rosenberg und Martin J. Gössl. © Luiza Puiu

Tiina Rosenberg, Gründerin der feministischen Partei in Schweden, will sich nicht mit Frauen wie Marine Le Pen solidarisieren. Gemeinsam mit Martin J. Gössl spricht sie im Interview über Queer-Feminismus und Bubenarbeit, Arbeiterkinder und das diskriminierende Schulsystem in Österreich sowie über Studiengebühren im Zeitalter des Postkolonialismus.

Was fehlt Ihnen bisher an den Diskussionen beim Europäischen Forum Alpbach?

Tiina Rosenberg: Bis jetzt hat niemand über Arbeiterkinder gesprochen. Ich bin immer erstaunt, wenn Menschen sagen, es gäbe keine gesellschaftliche Klassen mehr. Doch sehen wir uns das Schulsystem in Deutschland oder Österreich an: Dass man sich im Alter von zehn Jahren zwischen Hauptschule (oder Neuer Mittelschule, Anm.) und Gymnasium entscheiden muss, ist diskriminierend. An ersterem werden Jugendliche für den Alltag ausgebildet, an akademischen Gymnasien wird ihnen Allgemeinbildung vermittelt. Sie wissen, wo sie nachsehen, wenn sie etwas nicht wissen.

Das Interview ist am 22.8.2014 in der „Wiener Zeitung“ erschienen.

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„Ich bin kein Opfer, ich bin Frau“

Sucht man Frauen-Rap mit Anspruch, wird man fündig – auch in Österreich

Let’s talk about sex, baby / Let’s talk about you and me / Let’s talk about all the good things and the bad things that may be: Das soll ein emanzipatorischer Schlachtruf sein? Ja, denn die Rap-Pionierinnen Salt’n’Pepa taten mit ihrer Hitsingle Anfang der 1990er Jahre etwas, das heute für rappende Frauen, so sie erfolgreich sein wollen, ein No-Go ist: Sie führten Geschlechterstereotype ad absurdum, anstatt diese einzuzementieren. Gibt man heute „Nicki Minaj“, den Namen einer der erfolgreichsten Rapperinnen, in Google ein, spuckt die Suchmaschine Folgendes aus: „Nicki gelingt es, angezogen und gleichzeitig halbnackt zu sein. Für ein Shooting schlüpfte sie in ein hautenges schwarzes Kleid (…) ihr gekonnter Griff zu den Brüsten wollte wohl weniger verdecken als vielmehr betonen, ganz nach dem Motto: ‚Seht her, was ich habe!‘“

Im Underground zeigen Rapperinnen nicht nackte Haut, sondern ihr Können

Zwar war Rap mit Anspruch an den Intellekt – in der Szene spricht man vom Conscious Rap – stets nur eine Nische, auch MC Lyte („Cold Rock A Party“) und Salt’n’Pepa („Push It“, „Let’s Talk About Sex“), die „Battle Queen“ Roxanne Shanté oder später Missy Elliot waren nicht um Partyansagen und schlüpfrige Lyrics verlegen. Sie erreichten das Publikum mit ihrer Musik, ohne ihren Sexappeal zu negieren – aber ob sie in übergroßen Kapuzenpullis oder in Hot Pants auftraten, spielte keine wesentliche Rolle. Sozialkritische Texte waren eher die Regel als die Ausnahme, bei Queen Latifah, die 1994 in „Unity“ häusliche Gewalt anprangerte, klingt das so: I don’t want my kids to see me getting beat down / By daddy smacking mommy all around / You say I’m nothing without ya, but I’m nothing with ya / A man don’t really love you if he hits ya (sic!).

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Die teilautonome Schule kommt

Die neue Unterrichtsministerin Heinisch-Hosek präzisiert ihr Programm, Direktoren erhalten nur Mitspracherecht bei Lehrerwahl – ein Interview von Brigitte Pechar und Bettina Figl, erschienen am 21.12.2013 und hier nachzulesen.

„Wiener Zeitung“: Frau Ministerin, Sie haben am Montag das Unterrichtsministerium übernommen. Wann war für Sie klar, dass Sie am Minoritenplatz einige Häuser weiterziehen – beim Koalitionspartner ÖVP sind einige solcher Entscheidungen ja sehr kurzfristig getroffen worden?

Gabriele Heinisch-Hosek: Ich habe ja schon in den Koalitionsgesprächen das Bildungskapitel betreut und war auch als Beamtenministerin in die Lehrerdienstrechtsverhandlungen eingebunden – insofern ist mir das Ressort nicht ganz neu. Definitiv gefragt, on ich das Ministerium übernehmen möchte, wurde ich erst am Wochenende vor dem Abschluss.
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Die weiblichen Science Busters

Miriam Morgenbesser (l.) und Valeria Plohovich studieren Technische Physik an der TU Wien. (c) Stanislav Jenis

Miriam Morgenbesser (l.) und Valeria Plohovich studieren Technische Physik an der TU Wien. (c) Stanislav Jenis

Drei Prozent mehr Studentinnen an der TU Wien in sechs Jahren: bescheidene Erfolge in den Mint-Fächern
Eine blonde, im Denken eher langsame junge Frau wohnt Tür an Tür mit Wissenschafts-Freaks, die aus ihren hohen Intelligenzquotienten keinen Hehl machen. Um klischeehafte Rollenzuschreibungen wie in der US-Serie „Big Bang Theory“ zu sehen, muss man nicht ins amerikanische Fernsehen wechseln. In der ORF-Sendung „Science Busters“ fachsimpeln die beiden Physiker Heinz Oberhummer und Martin Gruber in Kabarett-Manier über Moleküle und Atome. Vielleicht können sie die nicht belegbaren biologischen Unterschiede in den technischen Fertigkeiten von Frauen und Männern erklären, denn der Glaube an diese ist – nicht zuletzt in Naturwissenschaften und Technik – nach wie vor verbreitet. Gerne wird auf das unterschiedliche Abschneiden bei Tests verwiesen, bei denen logisches Denken abgefragt wird.

Dieser Artikel ist am 15.10.2013 in der Wiener Zeitung erschienen und im Original hier nachzulesen.

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„Nichts tun zu dürfen, das ist wie geistige Folter“

(c) Autofocus

Interview mit Heinz Ratz: Der deutsche Musiker ist mit Asylwerbern auf Deutschland-Tour960 Kilometer laufen für Obdachlose, 850 Kilometer schwimmen für den Artenschutz, 7000 Kilometer Radfahren für Flüchtlinge: Der deutsche Musiker Heinz Ratz weiß, wie man Menschen ins Rampenlicht holt, die sonst im Abseits stehen. Als er vor zwei Jahren beim „moralischen Triathlon“ 80 Flüchtlingsheime mit seinem Rad besuchte, fand er auf desaströse Lebensbedingungen – und musikalisches Talent. Mit 30 Asylwebern nahm seine Band „Strom & Wasser“ eine abwechslungsreiche CD auf: Reggae von der Elfenbeinküste, Balladen aus Somalia und Gambia, afghanischer Rap. 50 Mal standen die Refugees heuer auf der Bühne, bis Jahresende wollen sie noch einmal so viele Konzerte geben. Begleitet hat sie ein Kamerateam, im Herbst kommt die Dokumentation „Can’t Be Silent“ ins Kino.

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