Radikale Interventionen in Linz

Seit 20 Jahren setzt sich der maiz für Partizipation von Migrantinnen ein.
Radikales Cheerleading, streikende Migrantinnen, Selbstverteidigung im Internet: Seit 20 Jahren macht maiz, das autonome Zentrum von und für Migrantinnen in Linz, mit Aktivismus auf sich aufmerksam. Doch das Jubiläum sei nicht nur Anlass zum Feiern, sagt maiz-Geschäftsführerin Rubia Salgado: „Wir haben viel erreicht und bewirkt, aber betreffend der Gesetzes- und Lebenslage von Asylwerbern und Migranten in Österreich und in der EU ist noch viel zu tun.“

Dieser Artikel ist am 14.11.2014 in der „Wiener Zeitung“ erschienen.

Sie kritisiert, dass Asylwerber in Österreich nicht arbeiten dürfen und dass Migranten, die ihren Familien nach Österreich folgen, schon vor der Einreise ein Deutschdiplom auf dem Niveau A1 nachweisen müssen. Das Motto der Jubiläumsveranstaltung lautet daher „trauernd trauen wir uns“. „Ich finde, sie können sich durchaus feiern lassen“, entgegnet Eva Schobesberger, Grüne Stadträtin in Linz, „denn es ist unglaublich, was diese Frauen auf die Füße gestellt haben.“

1994 haben Salgado und zwei weitere Migrantinnen aus Brasilien maiz gegründet. Zu Beginn standen Deutschkurse für lateinamerikanische Frauen und Beratung für Sexarbeiterinnen auf dem Programm, heute betreibt maiz darüber hinaus Forschung und politische Kulturarbeit, und ist im Jugend- und Bildungsbereich aktiv: Alphabetisierungskurse, auch der Hauptschulabschluss kann nachgeholt werden. „Dass wir so breit aufgestellt sind ist notwendig, um politisch wirksamer zu sein“, sagt Salgado.

Die maiz-Zentrale befindet sich mitten in der Linzer Altstadt, mit acht Schaufenstern ist der Verein nach außen gewandt und gut sichtbar. „Vor allem am Anfang wurden unzählige Male Fenster eingeschlagen, und wir wurden rassistisch beschimpft“, berichtet Salgado, und obwohl in den letzten Jahren kein Fenster mehr Schaden genommen hat, sind verbale Übergriffe nach wie vor Alltag. Maiz fordert Partizipation von Migranten in allen gesellschaftlichen Bereichen, Salgado: „Wir intervenieren und nehmen in der Öffentlichkeit radikale Positionen ein“ – dabei stößt maiz auch auf Widerstand.

„Streitbare Kritikerinnen“

„Sie sind streitbare Kritikerinnen, ich finde das großartig, aber das tun nicht alle. Hinter maiz stehen selbstbewusste Frauen, die resolut auftreten und kommunizieren, was sie wollen“, sagt Schobesberger. Sie betont, der Verein spiele in Linz auch deshalb eine so große Rolle, weil er Zielgruppen erreicht, die für die Stadt schwer zugänglich sind.

Auch bei der Jubiläumsfeier an diesem Wochenende setzt maiz auf Irritation: Am Freitag wird die „Universität der Ignoranten“ gegründet: „Wir wollen einen Raum der politischen Bildung außerhalb der ökonomischen Verwertung schaffen“, sagt Salgado. Auf dieser alternativen Universität sollen Migranten Kurse anbieten und ihr Wissen weitergeben. Die Eröffnungsdiskussion startet um 18 Uhr und ist prominent besetzt: Unter anderem wird die indische Theoretikerin Gayatri Chakravorty Spivak zum Thema „Strategien der Wissensverdauung, -zersetzung, -herstellung“ debattieren.