Volle Kraft aufs Rad

Bei aller Liebe zu Öko-Taxis, E-Bikes und Fahrrädern: Spätestens an der Ampel geht es um den Turbo

Politiker, Medien und Öffis – was macht bloß den Reiz dieser Mischung aus? Das Gratis-Blatt Heute fuhr mit Grün-Politikerin Eva Glawischnig Straßenbahn und mit FPÖ-Mann Strache U-Bahn. Umweltminister Niki Berlakovich (ÖVP) drehte den Spieß um und lud vergangene Woche wie schon im Vorjahr zur „JournalistInnenrallye“: Mit E-Bike, Lastenfahrrad und Öko-Taxi ging es durch halb Wien, eine Schar von PR- und Ministeriumsmenschen begleitete zwei Handvoll Journalisten und den Minister. Geht noch mehr Inszenierung? Oh ja: Moderiert hat die Veranstaltung Eva Pölzl vom ORF, anschließend gab es Urkunden und Siegerfotos.

Diese Reportage ist im „Falter“ 22/2012 am 30.05.2012 erschienen.

Wozu der Aufwand, sollte man nicht lieber Geld in ein lückenloses Fahrradnetz stecken? Auch, antwortet der Herr Minister, aber: „Es ist mindestens so wichtig, den Menschen die Bedenken zu nehmen.“ Um Berührungsängste vor dem Radfahren zu verlieren, braucht es also ein Medienevent, und wir waren ganz vorne mit dabei.

Doch die Rallye erinnerte eher an einen Schulausflug: Da werden Fahrscheine verteilt, es wird zusammengewartet, bei den Quizfragen geschummelt. Zuerst gilt es, sich am Westbahnhof ein Öko-Taxi zu „organisieren“ – doch diese stehen erstaunlicherweise längst bereit. In den silbernen Toyota Prius Hybrid steigt Berlakovich, die klassisch gelben sind für die Journalisten reserviert.

Der Hybridantrieb besteht aus Benzin- und Elektromotor, 130 Taxis sind in der Stadt schon damit unterwegs. Gemeinsam mit 20 Erdgasfahrzeugen machen sie zwar nur einen kleinen Teil der 5000 Wiener Taxis aus, aber die Kunden werden mehr.

Öko-Taxis können, das lernt man während der Fahrt, mittels „Taxicenter“-App gezielt bestellt werden. Die grünen Taxis bestechen und irritieren gleichermaßen mit Geräuschlosigkeit und einem Benzinverbrauch von 2,1 Litern auf 100 Kilometer. Der Preis: 22.000 Euro. Für Solarschiebedach und Ledersitze legt man noch einmal 2000 Euro drauf.

Auf dem Karlsplatz erwartet die illustre Truppe dann eine Flotte schicker Brompton-Räder. Die englischen Falt-Bikes haben 16-Zoll-Laufräder und können mit etwas Übung in 15 Sekunden zu einem kompakten Päckchen zusammengelegt werden. Das Brompton wiegt um die 13 Kilo und ist mit etwa 1000 Euro Anschaffungskosten noch eines der erschwinglicheren Fahrzeuge des Tages. Wer sich selbst ein Bild machen will: Am 17. Juni findet Österreichs erstes Brompton-Rennen auf der Trabrennbahn Krieau statt.

Am Praterstern angelangt, werden E-Bikes, Lasten- und Flottenfahrräder getestet. Von Elektroantrieb wollen die Fahrradboten von Heavy Pedals nichts wissen – sie transportieren vom Fernseher bis zur Couch alles mit einem Gewicht von bis zu 100 Kilo. Die Räder der GobaX-Flotte befördern gar Lasten bis zu 200 Kilo. Der eingebaute 830-Watt-Akku – doppelt so stark wie herkömmlich – macht bis zu 25 Stundenkilometer. Preisklasse: etwa 4000 Euro.

Der „Masterplan Radfahren“ soll Österreichs Radverkehr bis 2015 auf zehn Prozent verdoppeln – doch müssten dazu nicht auch der Autoverkehr zurückgedrängt oder Parkplätze in Radwege umgewandelt werden? Berlakovich sagt, er sei gegen solche „Zwangsmaßnahmen“. Wenn Parken teurer wird, sei das für viele Menschen und vor allem Pendler eine große Belastung. Der komplette Verzicht auf das Auto ist für ihn nicht denkbar, er will auf Elektromotoren umstellen und Anreize schaffen, damit man das Auto stehen lässt.

Wie oft radelt der Umweltminister eigentlich, wenn keine Journalisten dabei sind? Kurze Strecken lege er durchaus mit dem Rad zurück, behauptet er. Und einmal sei er beim Ministerrat mit dem Fahrrad fast nicht ins Gebäude hineingelassen worden. Bei der Rallye schwingt sich der Minister – betont leger in Polo-Shirt und Jeans – aufs E-Bike, auch ein paar von den Lastenrädern probiert er durch.

Am Ende geht es dann doch noch um Schnelligkeit: Drei von vier Teams scheitern daran, flott einen Fahrradreifen zu wechseln. Und am Heimweg berichtet der Öko-Taxler, manchmal werde er von Fahrgästen gefragt, ob sein Gefährt denn keinen Turbo habe. Und bei aller Liebe zu Öko: Er will nicht der Letzte sein, der vom Fleck kommt.

Wenn es einer an der Ampel wissen wolle, erzählt der Taxifahrer, drücke er kurzerhand die „Power-Taste“ – damit steigt das Fahrzeug von Elektro- auf Hybridantrieb um.

Wie schnell sein Öko-Flitzer beschleunigen kann, stellt er prompt unter Beweis. Turbo.