Der steinige Weg zur Professur

Hochschultagung in Wien beschäftigt sich mit wissenschaftlichem Nachwuchs.

Wien. Verträge auf Zeit, sinkende Zahl an Stellen: Die prekäre Situation des akademischen Nachwuchses führt dazu, dass maximal 20 Prozent der Wissenschaft erhalten bleiben. Das wurde bei der Jahrestagung der Gesellschaft für Hochschulforschung (GfHf) thematisiert, die dieser Tage in Wien stattfand.

Erschienen in der „Wiener Zeitung“ am 11.05.2012

„Im deutschsprachigen Raum ist der Weg an die Spitze in der Wissenschaft mit hoher Unsicherheit verbunden“, erklärte Hans Pechar vom Institut für interdisziplinäre Forschung und Fortbildung. Die wenigsten ergattern eine Professur. Stellen zwischen Wissenschaft und Verwaltung könnten Abhilfe schaffen, sagt René Krempkow vom Institut für Forschungsinformation.

Pechar meint, die akademische Laufbahn sollte an das amerikanische Modell angepasst werden: Doktorat, Lehre im Ausland, Laufbahn- oder Assistenzstelle, Professur. Doch eine bezahlte Doktoratsstelle zu finden, ist in Österreich fast unmöglich, Stellen werden intern vergeben. Pechar will daher den verpflichtenden Ortswechsel auf alle Kernfunktionen ausweiten, um Postenvergabe nach Seilschaften zu verhindern. Verständnis zeigt er für die finanzielle Not der Unis: „Rektoren haben volle Budgetverantwortung. Die TU steht vor dem Konkurs, sie kann nicht nachbesetzen.“ Das Budget den Unis zu überlassen befürwortet er – doch die Politik dürfte sich nicht aus der Verantwortung ziehen, es bedarf einer besseren Basisfinanzierung.

Studiengebühren reloaded

Die Uni Wien, die Wirtschaftsuni (WU) und die Technische Universität (TU) Graz wollen wieder Studiengebühren einheben: 15 Prozent der Studenten („Langzeitstudenten“ und jene aus Nicht-EU-Ländern) müssen ab Herbst 363,36 Euro bezahlen. Zuletzt sprachen sich die TU Wien und die Uni Klagenfurt gegen Gebühren aus. Derzeit ist nicht klar, ob Unis im Rahmen ihrer Autonomie Gebühren einführen dürfen.