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Tag: Universität

Wenn das Pentagon zahlt

Die Universitäten sind immer stärker auf Drittmittel angewiesen, doch woher das Geld für die Forschung kommt, bleibt oft im Dunkeln.
Eine speziell geformte Betonplatte wird am Boden ausgehärtet, ein Luftpolster aufgeblasen, innerhalb weniger Stunden krümmt sich der Beton zu einer stabilen Schale. Diese Bautechnik wurde von Forschern der TU Wien entwickelt, und die Liste der an der Lizenz interessierten Unternehmen ist lang. Die ÖBB-Infrastruktur AG will die neue Technologie beim Bau der Koralmbahn anwenden. Ohne externe Geldgeber hätte dieses Projekt nie realisiert werden können; es läuft auf zwei Jahre und wird von der österreichischen Forschungsgesellschaft FFG mit 340.000 Euro finanziert. Zwei Jungforscher haben dadurch eine Stelle, wenngleich auf Zeit. So viel Transparenz bei der Vergabe von Drittmitteln ist nicht selbstverständlich. Als der NDR Ende 2013 aufgedeckt hat, dass deutsche Unis Gelder von dem US-Verteidigungsministerium und dem Pentagon bekommen haben, um etwa über Sprengstoff zu forschen, ist im Nachbarland eine Debatte über mehr Transparenz bei den Drittmittelprojekten ausgebrochen.

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Die weiblichen Science Busters

Miriam Morgenbesser (l.) und Valeria Plohovich studieren Technische Physik an der TU Wien. (c) Stanislav Jenis

Miriam Morgenbesser (l.) und Valeria Plohovich studieren Technische Physik an der TU Wien. (c) Stanislav Jenis

Drei Prozent mehr Studentinnen an der TU Wien in sechs Jahren: bescheidene Erfolge in den Mint-Fächern
Eine blonde, im Denken eher langsame junge Frau wohnt Tür an Tür mit Wissenschafts-Freaks, die aus ihren hohen Intelligenzquotienten keinen Hehl machen. Um klischeehafte Rollenzuschreibungen wie in der US-Serie „Big Bang Theory“ zu sehen, muss man nicht ins amerikanische Fernsehen wechseln. In der ORF-Sendung „Science Busters“ fachsimpeln die beiden Physiker Heinz Oberhummer und Martin Gruber in Kabarett-Manier über Moleküle und Atome. Vielleicht können sie die nicht belegbaren biologischen Unterschiede in den technischen Fertigkeiten von Frauen und Männern erklären, denn der Glaube an diese ist – nicht zuletzt in Naturwissenschaften und Technik – nach wie vor verbreitet. Gerne wird auf das unterschiedliche Abschneiden bei Tests verwiesen, bei denen logisches Denken abgefragt wird.

Dieser Artikel ist am 15.10.2013 in der Wiener Zeitung erschienen und im Original hier nachzulesen.

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Wenn Studenten verschlafen

Weil die Hälfte nicht zur Prüfung kam, könnte nun eine Testgebühr kommen
Dass der eine oder die andere verschlafen hat, erscheint beim Blick in die müden Augen derer, die es pünktlich zur Prüfung geschafft haben, durchaus realistisch. Eine weitere Erklärung: Viele Bewerber aus Deutschland – an der Uni Wien machen sie rund 30 Prozent der Psychologiestudenten aus – gehen auf Nummer sicher und melden sich sowohl in Österreich als auch in Deutschland für ein Studium an. (In Deutschland wird beim „Numerus Clausus“ das Maturazeugnis zur Zulassung zum Studium herangezogen, Anm.)

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Eine ungemolkene Cashcow

Tief in die Tasche greifen müssen Studierende, wenn sie bei Facultas einkaufen - einzig beim Kopieren sparen sie sich ein paar Euro. (c) Luiza Puiu

ÖH-Buchhandlung Facultas sitzt auf 8 Millionen Euro Rücklagen – Studierende haben kaum etwas davon – aus dem kleinen Kopierladen wurde Österreichs viertgrößtes Verlagshaus.
Acht Millionen Euro Rücklagen auf der hohen Kante, 400.000 Euro Gewinn machte Facultas im Vorjahr. Das meiste Geld wird mit dem Verkauf von Büchern gescheffelt, ihre Pflichtlektüre bekommen Studierende oft ausschließlich hier. Was viele von ihnen nicht wissen: Die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) ist Eigentümerin des inzwischen viertgrößten Buchhandelsverlags Österreichs. Zu 50 Prozent gehört Facultas der ÖH an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien, zu 50 Prozent der ÖH an der Uni Wien – und damit jener Körperschaft, die vor zwei Jahren das Café Rosa in der Währinger Straße gepachtet und mehr als 500.000 Euro in den Sand gesetzt hat.

Dieser Artikel ist am 20. Juli 2013 in der „Wiener Zeitung“ erschienen und im Original hier nachzulesen.

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Aufschrei der Fachhochschulen

Mehr Plätze, mehr Geld, neuer Entwicklungsplan – Wissenschaftsministerium: „FHs können Studienbeiträge einheben.“ Der Sommer rückt näher, und damit läuft der Fachhochschul-Entwicklungsplan aus. Auf ein solches mehrjähriges Planungsdokument können im Hochschulsektor nur die Fachhochschulen (FH) zurückgreifen – aber nicht mehr lange. „Wir wissen nicht, wie es ab 2015 weitergehen soll“, sagt Helmut Holzinger, Präsident der Österreichischen Fachhochschul-Konferenz. Denn einen neuen Studienplan zu erstellen, benötige zwei Jahre Vorlaufzeit. Bei einer Pressekonferenz in der Arbeiterkammer (AK) Wien am Freitag verlangte er, die Zahl der Studienplätze an FHs bis 2020 von derzeit 41.000 auf 60.000 zu erhöhen und den Fördersatz pro Studienplatz, der derzeit im Schnitt 7000 Euro beträgt, auf 7500 Euro anzuheben.

Dieser Artikel ist am 31.5.2013 erschienen und im Original hier nachzulesen.

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Als die AG verliert, knallen die Sektkorken

Ein Wahlabend in der ÖH-Zentrale. Während am Buffet Lasagne vor sich hinköchelt, heißt es in der Wahlzentrale der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) in der Taubstummengasse für die Vertreter der einzelnen Fraktionen vorerst abwarten und Bier trinken. Erst als kurz vor 22 Uhr das Ergebnis der Uni Wien eintrifft, kocht auch die Stimmung: Der Verband Sozialistischer Studenten (VSStÖ) hält an der größten Uni des Landes mit fast 23 Prozent die Mehrheit und löst damit die Grünen und Alternative Studenten (GRAS) ab (beide halten nun sieben Mandate). Die GRAS liegt nun auf Platz 2 und hat gegenüber 2011 fast 9 Prozent der Stimmen verloren, was vermutlich auf das Finanz-Debakel um das Café Rosa zurückzuführen ist. Mit 22 Prozent der Stimmen ist die GRAS an der Uni Wien damit fast gleichauf mit der AktionsGemeinschaft (AG), sie verlieren fast 5 Prozent – trotz Schmutzkübelkampagne gegen das Café Rosa. Auf Platz Vier befinden sich die Jungen Liberalen (JuLis) mit 8 Prozent.

Dieser Artikel ist am 17.5.2013 erschienen und im Original hier nachzulesen.
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Die ÖH ist mehr als ein Polit-Kindergarten

Bei Frauen an der Spitze ist die Hochschülerschaft wegweisend – eine Analyse zur ÖH-Wahl. Die Frage, was die Studentenvertretung eigentlich bewirken kann, betrifft nur auf den ersten Blick die Studierenden alleine. Natürlich ist sie Interessensvertretung und Serviceeinrichtung, Herausgeberin von Broschüren und hat eine Repräsentativfunktion. Doch wenn, anders als in der Politik, seit zehn Jahren Frauen an der Spitze stehen, wirkt sich das auch auf die Gesamtgesellschaft aus. Mit ihren vielen Mandataren – heuer werden bis zu 105 Sitze vergeben – ist die ÖH viel breiter aufgestellt als etwa der Allgemeine Studentenausschuss „Asta“ in Deutschland.

Doch wie kann die ÖH etwas bewegen? Fragt man Vertreter der konservativeren Fraktionen wie der AktionsGemeinschaft (AG), heißt es, die ÖH müsse kompromissbereiter auftreten, um ernst genommen zu werden. Dass die ÖH sowieso nicht genommen wird, zeigen Beispiele aus der Vergangenheit: Ex-Wissenschaftsminister Johannes Hahn empfing die ÖH bei seinem Einstand mit den Worten: „Sie sind nicht von meiner Fraktion“, und Bundeskanzler Werner Faymann und der damalige Finanzminister Josef Pröll stellten die ÖHler bei der Senkung des Alterslimits für Familienbeihilfe-Bezieher vor vollendete Tatsachen und bezeichneten dies als „Verhandlung“. Ihren Handlungsspielraum versucht die ÖH zu vergrößern, indem sie ihre Anliegen – die inhaltlich durchaus Hand und Fuß haben – öffentlichkeitswirksam kundtut. Der Preis dafür ist, dass ihr Radikalität vorgeworfen wird und die Proponenten mitunter auf der Extremismus-Liste landen.

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Mit Eiskaffee in die Wahlkabine

Studenten wünschen sich eher Einsatz für Studium als politischen Aktivismus
Mit Eiskaffee wurden die Studenten am Donnerstagvormittag vor dem Institutsgebäude der Publizistik in der Währingerstraße in Wien umgarnt – und mit Fragen überhäuft: „Warst du schon wählen? Weißt du, wo du hin musst, und wen du wählst?“ Die Unterstützer des Verbands Sozialistischer Studenten (VSStÖ) gaben am letzten Wahltag der Wahl zur Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) noch einmal alles, um zu mobilisieren. An der ÖH-Wahl führte an diesem Institut wahrlich kein Weg vorbei: Vor dem Eingang erinnerten Schmierereien in bunter Kreide daran, wählen zu gehen. Die Wahlbeteiligung unter den rund 260.000 Studierenden ist traditionell gering: 2011 lag sie bei 28,5 Prozent, heuer zeichnet sich ein ähnliches Ergebnis ab. Im Wahllokal der Publizistik herrscht jedoch ein Kommen und Gehen, und fragt man Publizistikstudentinnen, zeigen sie sich alles andere als politikverdrossen: „Ich finde es wichtig, dass Studenten ein Mitspracherecht haben“, sagt Isabel Gebhart zur „Wiener Zeitung“, als sie aus der Wahlkabine kommt. Wichtiger als gesellschaftspolitisches Wirken ist ihr, dass die ÖH sie in ihrem Studium unterstützt. Auch Tina Morawitz hat ihre Stimme abgegeben, sie wünscht sich von der ÖH, dass sie bei der Ausverhandlung der Anhebung des Höchstalters für die Familienbeihilfe etwas erreicht. Denn derzeit erhalten Studierende die Familienbeihilfe nur bis zum 24. Lebensjahr.

Dieser Artikel ist am 16.5.2013 in der Wiener Zeitung erschienen und im Original hier nachzulesen.

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Büros der Uni Wien verstrahlt

In der Porzellangasse 33a befanden sich bis vor kurzem die verstrahlten Uni-Büros (c) S. Jenis

In der Porzellangasse 33a befanden sich bis vor kurzem die verstrahlten Uni-Büros (c) S. Jenis

Informations-GAU rund um universitäres Fortbildungszentrum in der Porzellangasse in Wien-Alsergrund: Werte befanden sich im Bereich strahlenexponierter Berufe

Wien. Wo bis vor kurzem Uni-Mitarbeiter an ihren Bildschirmen saßen, Seminare abhielten und bezüglich E-Learning beraten wurde, strahlt es. Im „Teaching and Learning Center“ in der Porzellangasse 33a wanderte vor hundert Jahren Radium über den Ladentisch. Und mit dem radioaktiven Material wurde recht unsorgsam hantiert, es soll mindestens einen Unfall gegeben haben.

Dieser Artikel ist am 16.4.2013 in der „Wiener Zeitung“ erschienen und im Original hier zu lesen.

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Unirat: Frauenanteil sinkt wieder

Universitätsräte 2013 bis 2018 formieren sich – selbst haben Uniräte bisher kein weibliches Mitglied ernannt. Rektorwahl und Budget-Absegnung: Der „Uni-Aufsichtsrat“ hat viel Macht.

An den steirischen Unis sind zehn von 14 Uniratsmitgliedern weiblich, die Unisenate hätten ihre Lektion in Sachen Frauen-Entsendungen gelernt: So lauteten die medialen Jubelmeldungen zu Jahresanfang, als die Namen der 21 Uniräte bekannt wurden, die als eine Art „Aufsichtsräte“ an Österreichs öffentlichen Universitäten fungieren. Der Unirat feiert zehnjähriges Bestehen, er wurde durch das Universitätsgesetz 2002 geschaffen, und damals wurde von der SPÖ eine Frauenquote von 40 Prozent hineinreklamiert.

Dieser Artikel ist am 29.3.2013 in der „Wiener Zeitung“ erschienen und im Original hier nachzulesen.

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