Kategorie-Archiv: Allgemein

Im Einsatz, wenn es kracht

Für Österreichs Polizei war der G-20-Gipfel ein Belastungstest. Aber wieso wegen Hamburg das Gesetz ändern? Flaschen, Steine, Molotow-Cocktails: Autonome haben sich auf den Dächern verschanzt. Sie beschießen Wega-Beamte, die mit Wasserwerfern durch die Straßen Hamburgs ziehen. Es seien „bürgerkriegsähnliche Szenarien“ gewesen, berichtet Ernst Albrecht, Chef der Wiener Sondereinheit Wega.

Dieser Artikel ist am 5.8.2017 in der „Wiener Zeitung“ erschienen.

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Ein Schreckgespenst namens Kommunismus

Kommunismus – das ist doch nichts für Kinder! Das Buch „Communism for Kids“ erzürnt die amerikanische Alt Right. Dieser Artikel ist am 11.7.2017 in der „Wiener Zeitung“ erschienen.

„In diesem Buch lernen Kinder, wie sie Gulags einrichten, Satan anbeten und die westliche Zivilisation zerstören können – und all das für nur 12 Dollar und 95 Cent!“ scherzt die „New York Times“ (NYT). Doch die NYT-Rezension liegt trotz satirischer Spitzen nahe an der Realität. Andere US-Medien, darunter das rechtsaußen-Medium „Breitbart“ oder das liberalere „The Daily Beast“, zerfleischen das Buch der Berliner Autorin Bini Adamczak regelrecht: „Die pure Existenz dieses Buches beweist, dass Marxisten noch nicht erkannt haben, dass ihre Ideologie zu nichts als Verderben führt“, schreibt ein „Breitbart“-Autor.

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Schabbat-Dinner und Blockparty

In New York stellt jede Minderheit irgendwo auch die Mehrheit – ein Stadtspaziergang.

„Halleluja, Halleluja, Halleluja!“ Aus den Tiefen ihrer Lungen rufen sie den Namen Gottes, hyperventilierend versetzen sie sich in Trance-ähnliche Zustände. Unter die Schreie der Zeugen Jehovas von nebenan mischen sich Polizeisirenen, die in der Ferne in Endlosschleife aufheulen. Das Ritual ist ein allabendliches Wiegenlied, und in der Früh übernimmt der jüdisch-orthodoxe Kindergarten: mit hoch gepitchtem, hebräischem Sing-Sang wecken die Kids das ganze Wohnhaus. Dieser Artikel ist am 20.5.2017 in der „Wiener Zeitung“ erschienen.

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Flüchtlinge als Quotenbringer

taz

(Abfotografiert aus der taz)

Beim Internationalen Journalismusfestival in Perugia ging es um den Umgang mit dem Thema Flucht. Alle Kinostühle sind besetzt, die Zuspätkommenden pferchen sich auf dunkle Holzbänke. Ganz Perugia, so scheint es, ist in den prunkvollen, mit Fresken übersäten Sala dei Notari gekommen, um zu hören, was der Lampedusa-Arzt Pietro Bartolo, die UNHCR-Südeuropa-Sprecherin Carlotta Sami und eine Handvoll JournalistInnen zum Thema Migration zu sagen haben. Diskutiert wird lautstark auf Italienisch, im Publikum sitzen mehr Einheimische als JournalistInnen. Vergangene Woche fand im italienischen Bergstädtchen Perugia das 11. Internationale Journalismusfestival statt. Flucht, einer der Festival-Schwerpunkte, lässt hier niemanden kalt. Kein Wunder, schließlich starben im Vorjahr mehr als 5.000 Menschen im Mittelmeer. Dieser Artikel ist am 13.4.2017 in der taz erschienen.

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Feminismus für alle

2017-03-10-PHOTO-00000562Sie verbrennen BHs, hassen Männer, sind wütend und sexuell frustriert. Diese Klischees schwirren vielen im Kopf herum, wenn sie an Feministinnen denken. Warum eigentlich? Feminismus definiert sich als „akademische und politische Bewegung, die für Gleichberechtigung, Menschenwürde, die Selbstbestimmung von Frauen und gegen Sexismus eintritt“. Klingt nicht sehr radikal.

Dennoch gibt es kaum eine politische Bewegung, die derart stigmatisiert ist. Oft sagen Menschen, sie seien für Gleichberechtigung, nicht aber für Feminismus. Um ein Problem bekämpfen zu können, muss man es jedoch beim Namen nennen. Verfechter der Gerechtigkeit, die vom Feminismus Abstand nehmen, negieren, dass Frauen jahrhundertelang schlechter gestellt waren als Männer – und es nach wie vor sind.

Dieser Text ist Ausschnitt eines größeren Artikels zum Thema Feminismus und am 4.3.2017 im „Extra“, der Literaturbeilage der „Wiener Zeitung“, erschienen. In seiner vollen Längen ist er hier nachzulesen.

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Sind Frauennetzwerke feministisch?

In Österreich werden politische Entscheidungen auf der Fußballtribüne oder beim Wirten bei einem Glas Spritzwein oder einem Krügerl Bier getroffen. Man kennt einander, man (be)fördert einander. Frauen sind hier meist nicht dabei. Frauennetzwerke wollen ein Gegengewicht bilden, indem sie Treffen, Seminare oder Mentoring nur für Frauen anbieten.

Dieser Kommentar ist am 5.3.2017 in der Wiener Zeitung erschienen und hier nachzulesen.

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Alleingelassen im Sozialstaat

© APA/dpa-Zentralbild/arifoto UG

© APA/dpa-Zentralbild/arifoto UG

Zwei Mädchen sind schwer krank, und trotzdem dauert es Wochen, bis sie behandelt werden. Grund dafür ist, dass sie bis heute keinen Erziehungsberichtigten haben, der für sie verantwortlich ist. Shogufa, 13, und ihre Schwester Nahid, 12, leiden an Neurofibromatosis. Das ist eine vererbbare Multiorganerkrankung, bei der den Betroffenen Tumore wachsen. Nahid wächst ein Tumor am Hals, bei ihrer Schwester Shougufa bestand seit dem Vorjahr der Verdacht auf einen Gehirntumor, der sich vor wenigen Wochen bestätigt hat.

Dieser Artikel ist am 17.2.2017 in der „Wiener Zeitung“ erschienen.

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Raus aus der sozialen Blase

170118-1658-thumb-img-4305-1024Die Linke muss mehr tun, als kämpferische T-Shirts überzuziehen und Trump-Piñatas zu basteln.

Die Busse nach Washington D.C. sind seit Wochen ausgebucht. Einen Tag nach der Angelobung von Donald Trump wird die linksliberale USA eine Pilgerreise ins Kapitol starten, wo sich 200.000 Menschen dem „Women‘s March on Washington“ anschließen wollen. Das wären noch mehr Gegendemonstranten als damals bei der Angelobung von George W. Bush Jr. Das macht Trump zum wohl unbeliebtesten Präsidenten aller Zeiten. Besonders das liberale Amerika wurde von diesem Wahlergebnis eiskalt erwischt. Wie konnte das geschehen? Warum wurde die amerikanische Linke von einem Präsidenten Trump so sehr überrascht, und welche Lehren sollte sie daraus ziehen?

Dieser Artikel ist am 20.1.2017 hier erschienen.

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„Wir leben in Armut und wollen Veränderung“

Diese Frau mit Wurzeln in Puerto Rico lebt in Washington Heights.

Diese Frau mit Wurzeln in Puerto Rico lebt in Washington Heights.© Figl

New York. Ein Wahlhelfer steht vor einem Wahllokal in Queens und ist umringt von Menschen, die ihn mit Fragen löchern: In welcher Schlange sollen wir uns anstellen? Wie lange wird es dauern, bis man dran kommt? Ein Mann ist besonders echauffiert: „Ein anderer Wahlhelfer hat mich in die falsche Schlange geschickt, ich habe eine halbe Stunde verschwendet.“

Rund 40 Minuten stehen die Menschen in Queens an, bevor sie ihre Stimme abgeben können. In New York City, wo stets alle „busy“ sind, wird Wartezeit schnell zur Belastungsprobe. Die Wahlschilder sind fünfsprachig, an keinem Ort der Welt werden so viele Sprachen gesprochen wie in diesem multikulturellen Stadtteil New Yorks.

Bildergalerie vom Wahltag in New York City.

Diese Reportage ist am 8.11.2016 hier erschienen.

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„Ein Wahlkampf voller Zorn und Leidenschaft“

Carolyn Ryan, Politik-Chefin der New York Times, hat Donald Trump als nächsten US-Präsidenten noch nicht ganz abgeschrieben.

Carolyn Ryan, geb. 1964, ist Politik-Chefin der New York Times. Für die NYT arbeitet sie seit 2007, zuvor war sie beim Boston Globe. Über die Präsidentschaftswahlen berichtet sie seit den 1990er-Jahren.© John Smock

Carolyn Ryan, geb. 1964, ist Politik-Chefin der New York Times. Für die NYT arbeitet sie seit 2007, zuvor war sie beim Boston Globe. Über die Präsidentschaftswahlen berichtet sie seit den 1990er-Jahren.© John Smock

Was hat Sie dieser US-Wahlkampf gelehrt?
Carolyn Ryan: Der enthusiastische Zuspruch, den Donald Trump in den Primaries bekommen hat, hat uns sehr überrascht. Wir haben gelernt, dass wir besser verstehen müssen, was in diesem Land vor sich geht. Wir waren zu weit weg von den ökonomischen Schmerzen und dem Zorn der Menschen. In Zukunft müssen wir sicherstellen, dass wir mit den Menschen im Land in Verbindung bleiben.

Dieses Interview ist am 3.11.2016 in der „Wiener Zeitung“ erschienen.
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